Wenn es um den Ebersberger Forst geht, sind die Bürger wachsam: Schon vor knapp 60 Jahren hat sich die Bevölkerung gegen ein Bauvorhaben gewehrt. Es war Bayerns erste Bürgerbewegung gegen ein Großprojekt – noch vor Wackersdorf. Forscher wollten damals mit einem Protonenbeschleuniger unter dem Waldboden nach dunkler Materie jagen. Der Forst sollte für ein 20 Quadratkilometer großes Versuchsgelände weichen, auf dem die Großforschungseinrichtung CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) die größten Rätsel der Physik lösen wollte. Heute steht der Teilchenbeschleuniger aber in der Schweiz nahe Genf – wegen des Protests aus der bayerischen Bevölkerung.
Wissenschaftlern schien der Ebersberger Forst ideal zu sein. 1962 begannen Boden-Untersuchungen. Ein Jahr später war der Wald auch im Bundesforschungsministerium Thema. Schließlich schlug die Bayerische Staatsregierung den Forst als CERN-Standort vor. Kosten: 1,5 Milliarden D-Mark. Von CSU und SPD gab es Beifall. Als das Projekt 1965 publik wurde, wuchs der Widerstand, es entstand die „Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst“. Parole: „Hände weg vom Ebersberger Forst“.
Wegen der komplizierten Atom-Materie war vielen gar nicht klar, wogegen sie genau protestieren. Manche befürchteten, dass der Beschleuniger Schwarze Löcher erzeugen könnte, in denen die ganze Erde verschwindet. Der Druck auf Bayerns damaligen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (CSU) wurde jedenfalls immens – 1967 ließ Goppel die CERN-Pläne fallen. kab