„Es war der kälteste Mai seit 1991“

von Redaktion

INTERVIEW Meteorologe Dominik Jung erklärt, warum das aktuelle Wetter kein Drama ist und wann die Sonne nach Bayern kommt

Äußerst wechselhaft und nur ganz selten wirklich schön: Ein schlechter Frühling, finden die meisten. Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung ordnet die Wetterdaten des bisherigen Jahres für uns ein. Der Mai war deutlich regnerischer als gewohnt – und so kalt wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Herr Jung: Wie regnerisch und kalt war das Frühjahr im Vergleich zu den Vorjahren?

Meteorologisch betrachtet lag das Frühjahr – Überraschung – völlig im Rahmen. Bisher gab es in München seit Anfang März 95 Prozent des langjährigen Mittelwerts an Regen zu diesem Zeitpunkt. Es war also weder zu nass noch zu trocken. Auch die Temperatur liegt in München bisher bei 7,7 Grad, auch das ist nur 0,1 Grad kühler als ein „normaler“ Frühling. Durchschnittlicher kann ein Frühling kaum sein wie der Frühling 2021. Man muss aber dazu sagen: Die Vergleichswerte stammen aus den Jahren 1961 bis 1990.

Und in den vergangenen Jahren waren die Zahlen anders?

Ja. Es war in diesem Jahr deutlich kälter als in den vergangenen Jahren. Da reden wir von bis zu einem Grad Unterschied. Der Mai war der kälteste seit 1991. Und es gab auch sehr viel Niederschlag – nämlich ein Plus von 31 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Im April war es anders: Da gab es im Alpenvorland ein sattes Minus von 55 Prozent zum Regensoll. Im Schnitt war das Frühjahr also nicht zu nass. Die Durchschnittszahlen zeigen ganz deutlich, wie der subjektive Eindruck trügen kann.

Wie erklären Sie sich diesen falschen Eindruck?

Es gab nur ganz selten wirklich sommerliche Temperaturen und richtig schöne Tage. Deshalb haben die meisten das Wetter allgemein als „schlecht“ wahrgenommen. Eine meteorologische Unterscheidung nach Regenmenge, Temperaturmittel und anderen Kriterien nehmen die meisten Menschen wohl eher nicht vor. Das sind dann subjektive Eindrücke. Zum Zweiten kommt der Vergleichswert ins Spiel: Fast jeder weiß noch, wie das letzte Jahr war, wo es mehr sonnige Frühlingstage gab. Vielleicht erinnert man sich sogar noch an das Jahr davor. Aber an das Wetter im Mai 1980 erinnert sich wahrscheinlich kaum mehr jemand. Deshalb wirkt es im Moment auch deutlich dramatischer, als es meteorologisch betrachtet ist.

Wieso vergleicht man dann nicht die vergangenen Jahre miteinander, sondern greift auf die alten Werte zurück?

Um klimatische Veränderungen zu bemerken, muss man einen längeren Vergleichsrahmen ansehen. Die Veränderungen innerhalb von 24 Monaten sind nicht sehr aussagekräftig.

Stichwort Klimawandel: Wie passt dieses Frühjahr in die Entwicklung?

Man darf aus diesen zwei, drei Monaten keinen allgemeinen Trend ableiten oder Rückschlüsse auf den Klimawandel ziehen. Drei Monate sind Wetter – dreißig Jahre sind Klima. Dass es mal einen regnerischen Mai gibt wie in diesem Jahr, ist eigentlich völlig normal. Und das Wetter in München ist nicht repräsentativ für die ganze Welt. Der Klimawandel lässt sich anderswo im Moment deutlich beobachten, wenn Eisberge schmelzen. Hier läuft es eben in diesem Jahr verhältnismäßig normal.

Wie entwickelt sich das Wetter in den kommenden Wochen?

In den nächsten Tagen wird es schöner, langsam wärmer, die Temperaturen landen sogar bei Werten um die 20 Grad. Es wird in den kommenden Wochen immer wieder Sonnenschein geben. Zum ersten Juni-Wochenende wird es dann aber wieder wechselhafter und kühler. So richtig beständig warmes und sonniges Sommerwetter ist also im Moment nicht in Sicht. Zumindest erwartet uns mal ein kleiner Anfang.

Interview: Dominik Stallein

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