3 FRAGEN AN
Simbach schützt sich vor weiteren Fluten – es wird aber noch einige Jahre dauern, bis alle Hochwasser-maßnahmen umgesetzt werden, erzählt Bernhard Großwieser im Interview. Der CSU-Politiker ist seit einem Jahr 2. Bürgermeister von Simbach am Inn.
Herr Großwieser, was hat diese Katastrophe mit Simbach gemacht?
Sie hat eine große Welle der Solidarität ausgelöst, von der Simbach auch heute noch zehrt. Als plötzlich mehrere tausend Menschen in Simbach zunächst obdachlos waren, ewig lange mit den Schäden zu kämpfen hatten – da mussten die Menschen zusammenhalten. Diese Solidarität haben wir natürlich besonders unmittelbar in den Tagen nach der Flut gespürt, als viele Helfer das ganze Wochenende über Keller und Erdgeschosse freigeschaufelt haben. Aber auch heute noch spüren wir den stärkeren Zusammenhalt. Vor allem in der Pandemie haben sich die Menschen gegenseitig stark unterstützt. Und wir sind noch enger mit unserer Nachbarstadt Braunau zusammengewachsen. Wir haben 2016 begriffen, dass wir eine gemeinsame Stadt sind – auch wenn die Landesgrenze zwischen uns liegt.
Haben die Simbacher Angst, dass sich so eine Katastrophe wiederholen könnte?
Ja. Und das ist durchaus eine der größten Herausforderungen, die wir noch bewältigen müssen. Das Wasserwirtschaftsamt hat zwar bereits einige Hochwassermaßnahmen umgesetzt. Der Simbach hat mittlerweile mehr Abflussmöglichkeiten, aber die Verbreiterung des Bachbetts wird uns noch mindestens sieben Jahre lang beschäftigen. Und bis dahin ist der Hochwasserschutz nun mal nicht so weit, wie er eigentlich sein sollte. Wir wissen, dass der jetzige Wert des sogenannten Jahrhunderthochwassers knapp doppelt so hoch ist wie der alte. Unsere Schutzmaßnahmen sind nicht auf so einen hohen Pegel ausgelegt. Man rechnet nicht unbedingt noch mal mit so einer großen Katastrophe. Aber wenn es mal ein paar Tage lang stark regnet, behalten viele den Simbach im Blick, manche checken auch regelmäßig online den aktuellen Pegel.
Scheint so, als könne man das Trauma noch nicht ganz verarbeiten.
Ja, die Flut sitzt immer noch tief in uns drin. Besonders schlimm ist es natürlich für die Angehörigen der Verstorbenen. Das Landratsamt und das Rote Kreuz machen diesen Menschen zwar Angebote zur Unterstützung und Begleitung – aber wer weiß schon, wie weit die psychologischen Folgen einer solchen Katastrophe für Betroffene reichen. Interview: Kathrin Braun