4 FRAGEN AN
Die EM hat begonnen, die Stadien sind zum Teil gefüllt – und sogar Public Viewing ist wieder erlaubt. Der Verkauf von Fanartikeln hält sich laut Thomas Thallmair, Inhaber von Intersport Thallmair in Tutzing, aber noch in Grenzen. Woran das liegt? Nicht nur an Corona, glaubt Thallmair.
Herr Thallmair, was sind zu Anlässen wie der EM normalerweise die begehrtesten Artikel in Ihrem Handel?
Früher, bei der WM 2014 und 2018, waren die stärksten Produkte vor allem Trikots und Bälle, aber auch Fähnchen und sonstige Fanartikel.
Und haben Sie dieses Jahr einen deutlichen Unterschied im Kaufverhalten bemerkt?
Das hat man nicht nur dieses Jahr gemerkt, eigentlich schon mit den Leistungen der Nationalmannschaft der vergangenen vier Jahre. Nach der letzten WM war die Nachfrage nach den üblichen Fanartikeln nicht mehr sehr hoch. Als Konsequenz haben wir im Handel dann natürlich auch weniger eingekauft – heuer sogar gar nichts mehr, letztes Jahr ist die EM ja Corona-bedingt verschoben worden. Noch dazu sind auch weniger Fans in den Stadien zugelassen, auch deshalb ist das Interesse an dieser EM drastisch gesunken.
Corona ist also ein Grund, aber in Ihren Augen nicht der einzige?
Ja. Es sind mehrere Faktoren, die zu dem niedrigeren Interesse führen. Ein bedeutender ist eben auch, wie schlecht die Nationalmannschaft zuletzt gespielt hat. Noch dazu sind die ganzen Ausstattungen wie Trikots über die Jahre immer teurer geworden. Wenn Trikots jedes Jahr fünf Euro teurer werden, sinkt die Nachfrage eben. Und generell entfremdet sich der Fußball langsam vom Fan – und die Fans merken es. Aber auch, dass das Public Viewing erst so kurzfristig wieder erlaubt wurde, hat den Leuten natürlich nicht die Chance gegeben, sich wirklich vorzubereiten.
Denken Sie, die Nachfrage wird sich von diesen Rückschlägen wieder erholen?
Ich glaube nicht, dass dieser Hype nach Fanartikeln, wie man ihn von der Weltmeisterschaft in Brasilien zum Beispiel kennt, noch einmal so kommt. Die Zeiten sind rum. Aber ein bisschen Anstieg kann es vielleicht langfristig geben, falls wir Europameister werden sollten, und wenn es 2024 die Heim-EM gibt. Wenn man jetzt tatsächlich auch wieder richtig in den Biergarten gehen und mitfiebern kann und Deutschland auch gut spielt – vielleicht kommt dann wenigstens ein bisschen Euphorie zurück.
Interview: Charlotte von Stosch