Kampf gegen Stechmücken am Ammersee

von Redaktion

Der Verein „Mückenplage? Nein, danke!“ fordert eine umfassende Kartierung der Brutstätten – die meisten Kommunen zögern aber

Herrsching – Noch ist Rainer Jünger entspannt, denn noch liegt es nicht in der Luft, dieses fiese hohe Surren, wenn die Stechmücken anfliegen. „Aber das kann sich schnell ändern“, sagt der Vorsitzende des Vereins „Mückenplage? Nein, danke!“ Jünger kennt dieses Geräusch bestens. Er wohnt in Schondorf am Ammersee. Auswärtige würden das Problem oft nicht verstehen. „Die sagen: Jetzt wohnt ihr am schönen Ammersee und jammert wegen ein paar Mücken. Aber wenn die wüssten. An einem schlimmen Mückenabend hat man innerhalb von zehn Minuten Dutzende Stiche. Man wird von den Mücken gejagt, da wird man wahnsinnig.“

Dass Mücken zum Leben am See gehören, weiß auch Jünger. Aber dass man der Plage freien Lauf lässt, damit will sich der Verein nicht abfinden. „Populationskontrolle“ sei das Stichwort, sagt Jünger. Mit biologischen Mitteln. So wie in Skandinavien. Dort gelinge es, die Stechmücken in stark befallenen Regionen um bis zu 90 Prozent zu reduzieren. „Und da bleiben immer noch ordentlich übrig.“

Eine gut gemachte Populationskontrolle gehe aber nur mit System. Und das, sagt Jünger, sei das große Problem. Dafür bräuchte es für den gesamten Ammersee eine Kartierung aller potenziellen Brutstätten samt regelmäßiger Beprobung: Wo brüten die Überschwemmungsmücken und wie hoch ist die Larvendichte? Wo muss was getan werden und wo nicht? Aber dazu können sich die meisten Kommunen bisher nicht durchringen. „Sie haben Angst vor der Diskussion um Naturschutz“, sagt Jünger. Gerade in Zeiten, wo das Insektensterben großes Thema sei. Darum werde das Problem lieber völlig ignoriert.

Dem Verein, sagt Jünger, gehe es nicht darum, großflächig Mückenmittel einzusetzen, sondern darum, das Problem zu strukturieren. „Es fehlt bisher an einer wissenschaftlichen Grundlage für Entscheidungen und an der Differenziertheit in der Diskussion.“ Und dafür brauche es eine Kartierung. „Die macht man einmal und schreibt sie dann fort. Und auf der Basis kann man entscheiden – das kann auch sein, dass man in einem Jahr gar nichts macht.“ Zudem müssten die Kommunen mehr aufklären. Das große Problem sind die Überschwemmungsmücken. Sie schlüpfen bei Hochwasser. Viele Brutstätten sind aber auch menschengemacht. Volle Regentonnen, Dauerpfützen auf Parkplätzen, Staubecken an Kläranlagen. Brutstätten, wo man, so Jünger, mit biologischen Mitteln, die auch im Bio-Landbau verwendet werden, gegensteuern könnte. „Nicht alles stehende Wasser ist ja in Biotopen.“

Bisher ist nur Eching am Nordende des Sees aktiv. Bei einem Ratsbegehren stimmten die Echinger Ende 2019 mit 79,5 Prozent für eine gezielte Bekämpfung von Stechmücken. Seitdem macht eine Spezialfirma im Auftrag der Gemeinde eine Kartierung.

Andere Gemeinden haben nicht nachgezogen. Deshalb macht der Verein „Mückenplage? Nein, danke!“ derzeit selber eine spendenfinanzierte Kartierung für Herrsching. Als Profi hat man sich einen Biologen vom Verein „KABS“ geholt – Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage am Oberrhein. 97 Gemeinden und Kreise sowie die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben sich in KABS zusammengeschlossen, um die Stechmücken in Schach zu halten. Ein Konzept, das sich Jünger auch für den Ammersee wünscht. Sobald die Kartierung steht, will der Verein erneut an die Gemeinde Herrsching herantreten. Man will lästig bleiben, so wie die Stechmücken.  wha

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