„Auf dem Land gibt es weniger Beschwerden“

von Redaktion

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Feiert man auf dem Land gerade anders als in der Stadt? Timo Hofmann, 28, ist Mitglied des Burschen- und Mädchenvereins Hebertshausen im Landkreis Dachau. Er erklärt, wo die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten liegen.

In München tummeln sich die jungen Leute im Englischen Garten und an der Isar. Dort ist es oft knallvoll. Was sind bei Euch die beliebtesten Treffpunkte?

In Hebertshausen hat eine neue Eisdiele aufgemacht, da wird sich viel getroffen. Jetzt, wo es so heiß geworden ist, ist auch an den Badeseen oder dem Kiesweiher außenrum wieder mehr los. Was ich aber am meisten mitkriege ist, dass sich die jungen Leute im Garten zum Grillen verabreden.

Teilweise geht es in der Stadt so schlimm zu, dass die Polizei eingreifen muss. Viele junge Menschen sind manchmal außer Rand und Band. Ist das auch ein Problem in Hebertshausen?

Die Ausgelassenheit zeigt den großen Aufholbedarf, den es ja in jeder Hinsicht gibt. Es ist bei uns mit Sicherheit auch so, dass die Feierlust jetzt schon ausgelebt wird. Es kann bestimmt jeder nachvollziehen, dass es mal wieder Zeit dafür wird. Ich denke, der große Unterschied zwischen den ländlichen und städtischen Umgebungen ist, dass es hier einfach weniger Beschwerden gibt, wenn mal irgendwo eine Party steigt.

Es gibt Hoffnung, dass die schlimmsten Zeiten der Pandemie bald zu Ende sind. Wie wirkt sich das auf die Stimmung in Hebertshausen aus?

Man merkt auf jeden Fall, dass alle ein bisschen entspannter sind – und dass jeder froh ist, mal wieder in bisschen größeren Gruppen etwas unternehmen zu können. Vor allem den Jungen ist das Gemeinsame und das Vereinsleben abgegangen. Ich würde aber gar nicht mal sagen, dass es nur die Jugend ist. Auch die 40- bis 60-Jährigen und drüber kommen jetzt wieder zusammen und bleiben dann auch länger sitzen.

Hebertshausen hat um die 4000 Einwohner. Die Einheimischen treffen sich bei Festen oder bei den Vereinen. In der Corona-Krise ist vieles ausgefallen. Was hat das mit dem Dorf gemacht?

Ja, man hat schon gespürt, dass der Zusammenhalt trotzdem da ist. Die Leute haben sich in den letzten Monaten weniger gesehen, deswegen gibt’s jetzt auch so viel zu erzählen. Auch im Burschenverein konnten wir jetzt schon viel zu lange keine Veranstaltungen durchführen – hoffentlich ändert sich auch das bald.

Interview: Charlotte von Stosch

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