Weniger Infektionen, mehr Geimpfte: Nach dem harten Lockdown können die Deutschen wieder verreisen. TUI, führender Urlaubskonzern der Welt, profitiert nach einem sehr schwachen Jahr 2020. Deutschland-Chef Marek Andryszak verrät, wo es noch nicht so voll ist.
TUI steht für die Pauschalreise. Wie hat die den Lockdown überstanden?
Als letztes Jahr die Flüge nahezu vollständig gestoppt wurden, war ja kein Urlaub mehr möglich. Sobald Flüge wieder erlaubt, Länder wieder offen waren, haben wir gesehen, dass die Kunden die Pauschalreise deutlich bevorzugen. Sie macht derzeit gut 70 Prozent der Buchungen aus.
Warum lieben die Deutschen die Pauschalreise?
Man muss sich um nichts mehr kümmern, wenn man gebucht hat. Wir sorgen dafür, dass alles problemlos läuft, auch wenn sich noch etwas ändert. Ich muss mich nicht um Hotel, Flug, Transfer kümmern. Aus meiner Sicht gewinnt die Pauschalreise sogar an Marktanteilen, weil auch Kunden, die sich ihre Reisen gern selbst zusammenstellen, etwas mehr Sicherheit schätzen.
Wie läuft das Geschäft bei TUI bisher?
Bis Ende April war es eher mau. Es gab zu viel Unklarheit bei den Regeln. Der Mallorca-Urlaub zu Ostern war ein erster Neu-Start. Anfang Mai ging es dann sprunghaft los. Unsere Kunden fingen an zu buchen. Und kurzfristig zu verreisen. In der zweiten Mai-Hälfte waren wir in Deutschland ungefähr auf dem Buchungsniveau vom Sommer 2019, also der Vor-Corona-Zeit. Inzwischen sehen wir deutlich höhere Buchungszahlen als zur gleichen Zeit 2019. Die Menschen wollen jetzt einfach raus.
Wo geht es hin?
Die Zahl der Ziele ist geringer als 2019. Topziel sind die Balearen mit Mallorca. Es wird so viel gebucht, wie wir noch nicht erlebt haben. Ebenfalls sehr gut läuft Griechenland. Und die Kanaren. Inzwischen holt auch die Türkei deutlich auf. Und Reisen nach Kroatien, Österreich und innerhalb Deutschlands, meist mit dem eigenen Auto. Wir bieten die Hotels.
Wie viel geben die Deutschen im Schnitt für eine Reise aus?
Derzeit sind es mehr als 90 Euro pro Gast und Nacht. Vor allem geben die Urlauber mehr Geld aus. Das Paket, das wir im Mai 2019 für ein bestimmtes Hotel in Palma auf Mallorca angeboten haben, kostet heute im Prinzip noch genau so viel, aber die Kunden wählen ein besseres Zimmer, eine bessere Verpflegungsvariante, einen längeren Aufenthalt – insgesamt eine bequemere Reise. Mehr Wohlfühlen. Die Deutschen gönnen sich mehr. Und das führt zu einem höheren Preis.
Wenn ich noch nicht gebucht habe, wo gibt es noch freie Plätze für die übernächste Woche?
Was wir seit Wochen bei den Buchungen erleben, ist gewaltig. Andererseits gibt es immer noch viele interessante Angebote. Denn anders als in früheren Jahren ist von Januar bis März nur sehr wenig gebucht worden.
Mallorca ist nicht überfüllt?
Nein. Ich war Anfang Mai auf Mallorca und ich fand es fantastisch. Die touristischen Gebiete waren weit davon entfernt, überlaufen zu sein, Restaurants waren gut erreichbar. Jetzt ist es etwas voller, aber Mallorca wird nicht so voll sein wie in einem normalen Sommer noch vor vier, fünf Jahren. Unter anderem, weil auch noch Gäste aus anderen Ländern fehlen.
Bei allen Garantien, die TUI bietet: Der Staat musste das Unternehmen 2020 retten, gerade hat TUI 200 Millionen Euro frisches Geld bei Investoren eingesammelt: Wie sicher ist es, bei TUI zu buchen? Gibt es die Firma im Herbst noch?
Selbstverständlich. Die Buchungszahlen der vergangenen Wochen zeigen, dass es wirtschaftlich wieder gut voran geht. Durch den Start des operativen Geschäfts in den meisten europäischen Märkten der TUI fließt wieder Geld ins Unternehmen. Die jüngsten Maßnahmen wie die beiden Wandelanleihen oder der Verkauf von Hotelimmobilien dienen daher vor allem dazu, die staatlichen Kreditlinien zu refinanzieren. Die erfolgreichen Transaktionen am Kapitalmarkt zeigen, dass die Investoren unserer Strategie und unserem Geschäftsmodell vertrauen.
Interview: Björn Hartmann