Kein Corona-Bammel mehr am Ballermann

von Redaktion

VON RALF PETZOLD UND JAN-UWE RONNEBURGER

Palma – Der berühmt-berüchtigte Ballermann auf Mallorca ist in diesem Juli kaum wiederzuerkennen. Es gibt noch die eine oder andere Schnapsleiche, vor dem Bierkönig wird immer mal jemand im Alkoholrausch von Freunden und Helfern davongetragen. Aber der Sauftourismus ist stark zurückgegangen. „Früher hätte man hier nicht so einfach langgehen können. Da wäre alles voller Leute gewesen“, sagt ein Urlauber zu seinen zwei Freunden. Sorgen wegen der wieder steigenden Corona-Zahlen oder der Delta-Variante macht sich hier kaum jemand. Viele sind schon geimpft und betonen, dass sie sich trotz vieler Kontakte nicht angesteckt hätten.

Tatsächlich ist die Schinkenstraße für die Jahreszeit ziemlich leer. Vor den Bars und Kneipen stehen Grüppchen von Rauchern. Die Straßenhändler versuchen, ihre Uhren- und Brillenimitate loszuwerden. Zwar schallt die übliche Partymusik durch die Gasse. Aber so richtig Stimmung kommt nicht auf. Viele Urlauber sind per Videoanruf mit der Heimat verbunden, immerhin ist man ja mal wieder auf Mallorca. „Es ist lustig, wohl aber anders“, sagen Alina und Silvana aus Euskirchen. „Wir sind seit einem Monat wieder Single. Da dachten wir uns, es sei der richtige Zeitpunkt.“

Partnersuche wie früher im Bierkönig ist jetzt allerdings etwas schwieriger. „Es ist Kneipenatmosphäre“, sagt Silvana. Die Türsteher scannen beim Einlass einen QR-Code, damit mögliche Infektionsketten verfolgt werden können. In der Disco herrscht Maskenpflicht. Ohne desinfizierte Hände wird niemand durchgelassen. Für die Partymeile gibt es spezielle Regeln. Die Bars dürfen die Kunden nur an den Tischen bewirten, maximal zehn pro Tisch. „Wir wurden mit anderen Leuten zusammengesetzt, da der Andrang groß war. Anfangs ist es zwar noch leer, ab 22 Uhr wird es aber voll. Wir mussten eine Stunde für den Bierkönig anstehen“, sagt Silvana. Tanzen ist nicht erlaubt, auf dem Weg zur Toilette besteht Maskenpflicht – und das Sicherheitspersonal ist da ziemlich streng.

Dass die auf Mallorca und auch in Katalonien mit der Costa Brava und der Touristenmetropole Barcelona in die Höhe schnellenden Infektionszahlen keine Panik auslösen, hat mit mehreren Faktoren zu tun. Die Impfkampagne hat in Deutschland wie auch in Spanien gute Fortschritte gemacht. Es trifft deshalb in Spanien zurzeit vor allem noch nicht geimpfte Menschen zwischen 16 und 30 Jahren. Die aber weisen entweder gar keine oder nur milde Krankheitssymptome auf. Nur wenige landen im Krankenhaus, die Todeszahlen bleiben niedrig. Die Inzidenz verliert damit ihren Schrecken.

Die Sieben-Tage-Inzidenz für die Balearen kletterte zuletzt wieder auf 128, also weit über den Wert von 50, ab dem Deutschland von einem Risikogebiet ausgeht. Gut möglich, dass die liebste Urlaubsinsel der Deutschen deshalb bald wieder zu einem solchen erklärt wird. Für deutsche Mallorca-Urlauber hätte das aber kaum praktische Auswirkungen und wäre für die Sommersaison höchstens ein Imageschaden. Rückkehrer müssten dann einen negativen Test, einen Nachweis über eine vollständige Impfung vorlegen oder eine Genesung nachweisen, um einer Quarantäne zu entgehen. Solche Nachweise müssen aber auch jetzt schon bei der Einreise nach Deutschland per Flugzeug vorgelegt werden. Eine Katastrophe für die Tourismusbranche wäre nur die Einstufung als Hochrisikogebiet oder gar als Virusvari-antengebiet.

Dass es soweit nicht kommen muss, betonte Außenminister Heiko Maas (SPD) Anfang der Woche in Madrid. Er sagte, dass es Stand jetzt „keinerlei Hinweise auf Entwicklungen“ gebe, dass deutsche Touristen in Spanien keinen Urlaub mehr machen können. Sorgen will sich auch Chris nicht machen. „Wir hatten nur Angst, ob wir überhaupt herkommen könnten“, sagt der 27-jährige Mallorca-Tourist aus Neuss und fügt hinzu: „Jetzt will ich mich einfach mit meinen Kollegen abschießen. Wir wollen endlich wieder feiern.“ Klingt eigentlich wie früher – wie vor Corona, als das nächste Getränk die größte Sorge war und nicht eine leibhaftige Pandemie.

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