Der Protest eskaliert – was ist los im Forst Kasten?

von Redaktion

In einem Waldstück, das einer uralten Stiftung gehört, könnte eine Kiesgrube entstehen – Aktivisten wollen das verhindern

München – Umweltaktivisten, die im Wald campieren. Protestierer, die auf Bäume klettern, Baumhäuser errichten und von der Polizei wieder heruntergeholt werden: In den letzten Wochen hat sich der Streit um eine geplante Kiesgrube im Forst Kasten zugespitzt. Denn eine Umsetzung der seit Jahren existierenden Pläne ist durch ein Votum des Münchner Stadtrates näher gerückt.

Das Waldstück an der Gemeindegrenze zwischen Neuried und Planegg gehört der Heiliggeistspital-Stiftung. Die 800 Jahre alte Stiftung wird verwaltet von der Stadt München. Stiftungszweck ist der Betrieb des Altenheims Heiliggeist in München-Neuhausen. Die Mittel dafür kommen auch aus der Bewirtschaftung des über 800 Hektar großen Forst Kasten.

Bislang kam das Geld überwiegend aus der Holzwirtschaft. Doch schon vor mehreren Jahren wurde ein Kiesabbau im Forst erwogen. Im Regionalplan für die Region München ist seit 2013 ein gut 40 Hektar großes Gebiet im Forst als Vorranggebiet für Kiesgewinnung festgelegt.

Im Jahr 2017 hat die Stiftung die Verpachtung von 9,5 Hektar zur Kiesausbeutung ausgeschrieben. Ab 2018 organisierten örtliche Bürgerinitiativen ersten Protest. 2019 stellten sich auch SPD und CSU in der Landeshauptstadt gegen das Vorhaben. Die Regierung von Oberbayern sollte prüfen, ob die Ausschreibung noch zu stoppen sei. Eine Entscheidung im Stadtrat wurde mehrfach vertagt. Dann stellte die Regierung 2021 fest, dass Stadträte, die jetzt noch gegen die Vergabe stimmten, eventuell persönlich regresspflichtig seien. So stimmte der Stadtrat im Mai für die Vergabe an die Firma, die die Ausschreibung gewonnen hatte.

Zum Protest örtlicher Bürgerinitiativen gesellten sich Klimaaktivisten. Seither gibt es eine dauerhafte Mahnwache. Aktivisten übernachten im Wald unter Planen, Zelte hat die Polizei verboten. Mitte Juni begann der Bau von Baumhäusern, die vom Landratsamt verboten und von der Polizei wieder geräumt wurden. Kurz darauf folgte ein zweiter Anlauf, der ebenfalls unterbunden wurde. Ob und wann im Forst Kasten gerodet und ausgekiest wird, ist offen. Die Firma, die die Ausschreibung gewann, hat noch keine entsprechenden Anträge gestellt.  sr

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