Randale und Rassismus – die Schattenseiten des Fußballfests

von Redaktion

Englands Elfmeter-Pechvögel werden im Internet aufs Übelste beleidigt – Prinz William: „abscheuliches Verhalten“

London – Die Spuren des Chaos einer unrühmlichen englischen Fußball-Nacht waren nicht zu übersehen. Vor dem Wembley-Stadion bot sich den Enttäuschten auf dem Weg nach Hause ein Meer aus kaputten Bierdosen und Abfall, auch um den Trafalgar Square und Piccadilly Circus türmte sich in der Nacht der Müll. Die Londoner Polizei meldete knapp zwei Dutzend verletzte Beamte, der englische Verband FA verurteilte, dass Fans versucht hatten, das Finalstadion zu stürmen – und die Nationalspieler in den sozialen Medien rassistisch beleidigt wurden.

Prinz William sprach von inakzeptablem und „abscheulichem Verhalten“. „Es muss jetzt aufhören, und alle Beteiligten sollten zur Rechenschaft gezogen werden“, twitterte der Queen-Enkel. Die rassistischen Kommentare würden ihn „krank“ machen. Beim 2:3 im Elfmeterschießen gegen Italien hatten Bukayo Saka (19) als letzter Schütze und vor ihm Jadon Sancho (21) und Marcus Rashford (23) verschossen. Alle drei sind schwarz.

„Wir könnten nicht deutlicher machen, dass jeder, der hinter solch widerlichem Verhalten steckt, als Anhänger unseres Teams nicht willkommen ist“, teilte die FA mit. „Wir werden tun, was wir können, um die betroffenen Spieler zu unterstützen, und drängen zugleich auf die härtestmöglichen Strafen für jeden, der verantwortlich ist.“

Die englischen Spieler waren vor allen ihren EM-Spielen auf ein Knie gegangen, um ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung zu setzen. Der britische Regierungschef Boris Johnson und seine Innenministerin Priti Patel hatten durchaus Verständnis für Menschen gezeigt, die ihren Unmut über die Geste äußerten. Nach dem Finale twitterte Johnson: „Die Verantwortlichen für diese entsetzlichen Beschimpfungen sollten sich schämen.“

Rashford, der bei Manchester United spielt, hatte in der abgelaufenen Saison mehrfach rassistische Beleidigungen gegen ihn öffentlich gemacht. „Was zur Hölle denken sich diese Menschen?“, sagte am Montag Ex-Nationalspieler Alan Shearer bei der BBC. „Was stimmt mit ihnen nicht?!“

Zwar hatten rund um das Finale Zehntausende friedlich gefeiert. Einigen Engländern stieg der Finaleinzug der Three Lions aber sichtbar zu Kopf. Abgesehen von der fast zu erwartenden Randale auch in der Innenstadt war es an den Sicherheitszäunen des Stadions zu hässlichen Szenen gekommen. Dutzende hatten versucht, ohne Tickets Zutritt zu erlangen. Videos in den sozialen Medien zeigten teils chaotische Szenen im dichten Gedränge. Berichten aus dem Stadion zufolge besetzten etliche Menschen ohne Tickets Plätze der eigentlichen Karteninhaber. „Diese Leute“, erklärte der englische Verband, „sind eine Peinlichkeit für die englische Mannschaft und alle wahren Fans, die eines der wichtigsten Spiele unserer Geschichte genießen wollten.“ Die Polizei teilte mit, dass am Sonntag in London 49 Personen wegen einer Vielzahl von Straftaten festgenommen worden seien. Corona-Verstöße gehörten wohl kaum dazu. dpa/sts

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