Besuch bei Betroffenen

von Redaktion

„Wenn man das so sieht, könnte man wirklich weinen“, sagt Pia May. Hoch schwanger steht sie mit ihrem Mann Lukas im Keller ihres Hauses – vor Trümmern. Das Ehepaar aus Rennerde (Regierungsbezirk Arnsberg) hat es hart getroffen. Mehr als 24 Stunden kämpften sie mit der Feuerwehr gegen die Wassermassen. Sie sind müde, traurig und kommen nicht zur Ruhe. „Ich kann eigentlich nicht mehr. Seit Mittwoch 1 Uhr sind wir hier zugange. Aber ich kann auch keine Pause machen, dafür bin ich emotional zu angespannt“, sagt Lukas May. Im September erwarten er und seine Frau das erste Kind.

Derzeit bauen sie sein Elternhaus komplett um. Die werdenden Großeltern sind in die Erdgeschosswohnung gezogen, Pia und Lukas beziehen die größere Wohnung in der ersten Etage. „Wir waren gerade im Endspurt – jetzt fangen wir wieder von vorne an“, sagt Pia May. Sie war es auch, die in der Nacht bemerkte, dass etwas nicht stimmt. „Pia hat mich geweckt, sie höre Wasser im Flur plätschern, da bin ich aufgestanden. Unten stand ich schon knöcheltief im Wasser“, erzählt Lukas May. Das Wasser kam von der Wiese hinterm Haus. Schnell hatte sich ein richtiger Fluss entwickelt. Im Nu stand alles unter Wasser. „Wir hatten Glück, dass es bei uns so früh losging. Dadurch war die Feuerwehr direkt da und hat uns geholfen“, sagt Lukas May. Trotzdem: „Die neuen Möbel sind hin. Das Chaos ist unvorstellbar.“ Zu retten sei fast nichts mehr. Eine Versicherung hat er nicht. „Uns wurde damals gesagt, dass wir das in dieser Wohnlage nicht brauchen – dumm gelaufen.“

Das Wasser, das nicht bei den Mays landete, wurde zur Familie Sommer nebenan gespült. „Wir waren eigentlich schon im Urlaubsmodus. Freitag sollte es losgehen“, sagt Carolin Sommer in ihrem überfluteten Keller. „Ich bin einfach nur froh, dass die Feuerwehr mehr als 24 Stunden bei uns und unseren Nachbarn war. Ohne sie wären wir einfach abgesoffen“, erzählt die Mutter. „Wir sind so froh, dass wir so eine tolle Nachbarschaft haben. Die einen haben uns nachts um vier geweckt, andere haben mitten in der Nacht Kaffee gekocht und wieder andere haben Sandsäcke gebracht, Gräben geschaufelt oder uns nur Mut zugesprochen.“ L. SCHMITZ-MACHELETT

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