Höhenkirchen-Siegertsbrunn –Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Für Markus, 31, und Albena Vollmann, 37, aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Landkreis München zog sich das Hinfiebern auf ihre Hochzeit allerdings dann doch arg in die Länge. Vergangenes Jahr wollten die beiden Verliebten heiraten. Dann kam Corona und mit dem Virus das Ende aller Party-Träume. Heuer klappte es dann jedoch endlich. Das Paar hat sich gerade vor dem Standesamt das Ja-Wort gegeben und feierte anschließend mit der Familie und Freunden bis in die frühen Morgenstunden auf dem Vereinsgelände der Burschenschaft Höhenkirchen – das glückliche Ende einer kräftezehrenden Geduldsprobe.
„Es war noch viel schöner, als wir es uns im Vorfeld ausgemalt hatten“, schwärmt Markus Vollmann. Bedenken hatte das Brautpaar im Vorfeld schon gehabt: Sagen Gäste aus Angst vor einer Corona-Infektion ab? Die Sorgen erwiesen sich als unbegründet, erzählt Albena Vollmann. „Die Menschen haben gelacht, vor Glück geweint und bis tief in die Nacht getanzt.“ Das lange Warten hat sich also gelohnt, irgendwie.
Bereits 2019 hielt Markus Vollmann auf der Insel Santorin um die Hand seiner Traumfrau an. Ein Jahr waren der Kfz-Meister und die Friseurin zu diesem Zeitpunkt zusammen. Sie sagte Ja, das Glück der beiden war perfekt – doch dann kam die Pandemie und all ihre Tücken.
Selbst die vergangenen Monate waren geprägt von bangen Blicken in Richtung der Inzidenzwerte und in Richtung der geltenden Hygieneauflagen. Lange Zeit stand nicht fest, in welchem Rahmen die Trauung über die Bühne gehen konnte. „Es waren wilde Diskussionen mit dem Landratsamt“, erzählt Markus Vollmann. Wie viele Menschen dürfen in das Standesamt? Wie viele anschließend in das Vereinsheim des Burschenvereins zur Feier? Die Antworten änderten sich ständig – je nach aktueller Corona-Lage (siehe Kasten). Umso größer war die Erleichterung der Vollmanns, als in den vergangenen Monaten die Infektionszahlen sanken und die Anzahl der Lockerungen stiegen. Unabhängig davon: Durchgezogen hätte das Paar die standesamtliche Trauung heuer definitiv – notfalls auch ohne Gäste. „Das hätten wir nicht erneut verschoben, wir warten seit einem Jahr auf die Hochzeit“, sagt Markus Vollmann.
Bayern ist wieder im Hochzeitsfieber. Viele Ringe warten darauf, getauscht zu werden. Und viele Tränen des Glücks wollen vergossen werden. Katharina Aust leitet das Standesamt in der Gemeinde Tegernsee. Nach dem verkorksten Hochzeits-Jahr 2020 haben sie und ihre Mitarbeiter heuer alle Hände voll zu tun. „Wir sind bis Ende Oktober nahezu ausgebucht“, sagt Aust. Und das obwohl es noch immer strenge Auflagen gibt. In das Trauzimmer dürfen derzeit lediglich zehn Personen hinein. Die Hochzeitsgesellschaften machen das Beste aus der Situation. „Die engsten Angehörigen dürfen bei der Trauung dabei sein“, sagt Aust. „Der Rest wartet draußen.“ Das ist zwar nicht ideal, aber auch nicht richtig schlimm. „Die Leute sind einfach erleichtert darüber, dass sie heiraten können.“ Bereits jetzt sind viele Termine für den Sommer 2022 reserviert.
Bayern traut sich wieder. Das merken sie auch beim Standesamt Seeon-Seebruck am Chiemsee. Inge Ederer-Posch, 52, kennt das Standesamt wie keine Zweite. Seit über 25 Jahren ist sie dort angestellt und heiratete sogar selbst an ihrem heutigen Arbeitsplatz. „Klar, wir sind alle froh und dankbar, dass wieder etwas los ist“, sagt sie.
Trotzdem sind viele Heiratswillige im Chiemgau offenbar noch skeptisch. „Viele Leute sind einfach noch unsicher. Daher ist die Nachfrage aktuell eher verhalten“, sagt Ederer-Posch. Der eh schon lange Hochzeits-Rückstau wird am Chiemsee noch ein bisschen länger. Für nächstes Jahr rechnet die Standesamt-Chefin mit Hochbetrieb. „Wir können uns vor Terminen kaum retten“, sagt sie. Es bahnt sich bereits jetzt ein Rekordjahr in Seebruck an. 2022 könnte für viele Menschen als historisches Jahr in die Geschichtsbücher eingehen – als das Jahr, in dem man alle paar Wochen auf einer Hochzeit eingeladen ist.
Markus und Albena Vollmann aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn haben das mit der Hochzeit schon hinter sich. Aber irgendwie auch nicht – man könnte auch sagen: Sie fangen gerade erst an. War die Feier mit 45 Personen aus dem engen Familien- und Freundeskreis schon ein voller Erfolg, soll am 4. September die noch größere Feier mit rund 150 Gästen folgen.
Bauchschmerzen, ob diese angesichts steigender Inzidenzzahlen stattfinden kann, haben die Vollmanns keine. „Wir sind da momentan noch entspannt“, sagt Albena Vollmann. Und wenn Corona doch wieder dazwischenfunkt? „Dann verschieben wir eben auf 2022. Wir möchten mit all unseren Freunden und Bekannten feiern“, sagt Markus Vollmann.
Denn ab jetzt haben sie alle Zeit der Welt – den Bund für die Ewigkeit haben sie ja schon besiegelt. Danach gab es eine Traktorfahrt durch die Gemeinde, damit auch jeder weiß, dass Markus und Albena endlich Mann und Frau sind. „Da standen plötzlich die Leute vor ihren Häusern an der Straße“, sagt der Bräutigam. Es schien, als ob ganz Höhenkirchen monatelang nur auf diesen einen Tag gewartet hat. Magisch.
Die Gäste haben gelacht, geweint und getanzt
Am Chiemsee rechnen sie 2022 mit einem Rekord
Albena und Markus planen noch eine Feier mit 150 Gästen