Athen/Catania/Istanbul –- Heftige Waldbrände und Dauerhitze von über 40 Grad machen den südlichen Urlaubsländern Griechenland, Italien und Türkei weiterhin schwer zu schaffen. In Italien hatten die Feuerwehren binnen 24 Stunden mehr als 800 Einsätze im Kampf gegen lodernde Waldbrände. Auch türkische Einsatzkräfte kämpften den vierten Tag in Folge gegen massive Waldbrände im Land. Griechenland erwartet Temperaturen bis zu 46 Grad.
Griechenland in Alarmbereitschaft
In Griechenland dauert die Hitzewelle bereits seit Mitte voriger Woche an. An acht Orten kletterte das Thermometer auf über 42,5 Grad. Nach Angaben von Wetterexperten sollen die ganze kommende Woche tagsüber sogar bis zu 46 Grad erreicht werden. Auch die Ferieninseln sind betroffen. Auf Rhodos soll es am Dienstag bis zu 44 Grad heiß werden. Nachts bleibt es vor allem in den Ballungszentren heiß mit Temperaturen über 30 Grad. Einige Meteorologen sprachen bereits von einer „historischen Hitzewelle“.
Der griechische Zivilschutz wurde in Alarmbereitschaft versetzt. In den Registrierlagern für Migranten auf den Inseln im Osten der Ägäis wurden zusätzliche klimatisierte Zelte und Container zur Verfügung gestellt. Die Städte öffneten klimatisierte Hallen für die Einwohner, die zu Hause keine Klimaanlage haben. Arbeiten im Freien sollten so weit wie möglich reduziert werden, hieß es vom Arbeitsministerium.
Wann die Hitzewelle nachlassen wird, war am Wochenende noch nicht klar. Einige Meteorologen befürchteten, die Situation könnte bis zu zwei Wochen andauern. Bisher gibt es keine Hitzetoten, aber Erinnerungen an den Sommer 1987 werden wach. Damals gab es bei ähnlichen Temperaturen mindestens 1300 Hitzetote, die meisten davon im Großraum Athen.
Allerdings sind inzwischen zahlreiche Waldbrände ausgebrochen. Menschen müssen mit Atembeschwerden behandelt werden. Im Bereich der Kleinstadt Egion wurden mehrere Häuser zerstört. Die Brände konnten am Sonntagmorgen eingedämmt werden, aber die Brandgefahr bleibe wegen der Dürre hoch, warnte der Zivilschutz.
Sizilien: Urlauber flüchten ins Meer
Auf Sizilien rückten die Retter allein am Samstag 250 Mal aus. Im Osten der beliebten Urlaubsinsel brannte es am Freitag vor den Toren der Küstenstadt Catania. Dicker Rauch zog über Wohnhäuser. Der Flughafen Catanias musste kurzzeitig den Betrieb einstellen. Der Küstenwache zufolge brachten die Behörden ungefähr 170 Menschen aus der Gegend um Catania in Sicherheit, die von den Flammen eingeschlossen waren und an den Strand flüchteten. Die Küstenwache nahm sie dort auf ihre Boote. Auf Bildern der Zivilschutzbehörde Siziliens war zu sehen, wie Flammen in einer Ferienanlage am Strand bei Catania wüteten und Hubschrauber mit Löschwasser darüber hinwegflogen.
Siziliens Regionalpräsident Nello Musumeci schrieb auf Facebook von einer „Verwüstung“ in Folge hoher Temperaturen. Laut Musumeci haben Ermittler festgestellt, dass hinter einigen Feuern Brandstifter steckten. Die Hitzewelle auf Sizilien, sagte der Regionalpräsident, dürfte noch bis zum 6. August andauern. Ministerpräsident Mario Draghi sicherte Sizilien auf Bitten Musumecis weitere Unterstützung des nationalen Katastrophenschutzes zu.
Auch in anderen Teilen Italiens wurde die Feuerwehr zu zahlreichen Waldbrandeinsätzen gerufen, darunter 130 Mal in den Regionen Apulien und Kalabrien, 90 Mal in Latium, wo die Hauptstadt Rom liegt, und 70 Mal in Kampanien. Löschflugzeuge der nationalen Flotte flogen Einsätze in Kalabrien und der Adria-Region Apulien. Auf der Urlaubsinsel Sardinien richteten Flammen zuletzt im Westen große Schäden an. Im Norden Italiens sorgen hingegen Unwetter für Überschwemmungen, unter anderem in Südtirol.
Feuerwalzen an der türkischen Küste
In der Türkei sind die Waldbrände massiv. Seit fünf Tagen kämpfen tausende Einsätzkräfte gegen die Flammen an. Forstminister Bekir Pakdemirli teilte am Sonntag mit, noch fünf von ursprünglich mehr als 100 Bränden seien aktiv. Es gebe Brandherde in den süd- und westtürkischen Provinzen Antalya und Mugla. An der türkischen Mittelmeerküste wüteten die Feuer besonderes schlimm. Dort wurden Regionen in fünf Provinzen zu Katastrophengebieten erklärt. Starke Winde erschwerten die Löscharbeiten.
Im Badeort Bodrum an der türkischen Ägäis wurden in der Nacht zu Sonntag mehrere Dörfer evakuiert, aus einem Vorort 100 russische Touristen in Sicherheit gebracht. Viele Menschen, so die örtlichen Behörden, seien in Panik an die Küste geeilt, wurden mit Booten geborgen. Privatboote unterstützten die Behörden. Viele Regionen und Hotels mussten evakuiert werden. Rund um Marmaris an der türkischen Riviera standen die Hügel tagelang in Flammen.
Sechs Tote hat das Gesundheitsministerium bisher bestätigt. Türkische Behörden ermitteln auch in Richtung Brandstiftung. An der türkischen Mittelmeer- und Ägäisküste wird auch in den nächsten Tagen starke Hitze von mehr als 40 Grad erwartet.
In Deutschland bleibt es weiter kühl
In Deutschland bleibt es laut dem Deutschen Wetterdienst unbeständig und eher kühl mit Temperaturen kaum über 25 Grad. Ursache für das unbeständige Wetter ist Tief „Ferdinand“. Es zieht von der Nordsee zum Baltikum und bringt kühle Meeresluft nach Deutschland. Dem südöstlichen Mittelmeerraum hingegen bescheren seine Ausläufer rekordverdächtige Temperaturen, denn sie lassen heiße Luft direkt aus Afrika nach Italien, Griechenland und in die Türkei strömen.