Berlin – Angesichts des Eindringens der Taliban in die afghanische Hauptstadt Kabul hat die Bundesregierung mit der Evakuierung des Personals der deutschen Botschaft begonnen. Die ersten Angehörigen würden noch „im Laufe des Tages“ ausgeflogen“, kündigte Außenminister Heiko Maas (SPD) gestern Abend in Berlin an. Die rund 20 verbliebenen Botschaftsmitarbeiter und Bundespolizisten sind bereits aufs Flughafengelände geflüchtet. Außerdem brächen noch in der Nacht Transportflugzeuge der Bundeswehr auf, „um bei den notwendigen Evakuierungsarbeiten zu unterstützen und diese dann auch in den kommenden Tagen durchzuführen“.
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) betonte: „Unser Ziel ist es, dass wir – solange es die Möglichkeiten vor Ort erlauben – so viele Menschen wie möglich aus Afghanistan rausbringen werden.“ Heute früh würden dazu erste Transportflugzeuge vom Typ A400M vom niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf starten. In einem neutralen Drittland außerhalb Afghanistans werde eine Drehscheibe eingerichtet, von dort aus dann eine Luftbrücke nach Kabul aufgebaut. Sie und Maas kündigten an, dass die Geretteten dann von diesem Drittstaat aus mit zivilen Flugzeugen nach Deutschland gebracht würden.
Nach Angaben von Maas wird ein „operatives Kernteam“ der Botschaft in Kabul am militärisch gesicherten Teil des Flughafens bleiben, um die Arbeitsfähigkeit der Botschaft zu erhalten. Die Bundeswehr wird vor allem Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte (DSK) einsetzen. „Wir sind auf alle Szenarien eingerichtet. Wir schicken die Soldaten in einen gefährlichen Einsatz“, so Kramp-Karrenbauer. Auch afghanische Ortskräfte, die früher für die Bundeswehr oder Bundesministerien gearbeitet haben oder jetzt noch arbeiten, sollen nach Deutschland gebracht werden.
Die Bundesregierung will sich den Einsatz durch ein Mandat des Deutschen Bundestags absegnen lassen. Dies kann wegen der erforderlichen Eile erst zu einem späteren Zeitpunkt geschehen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterrichtete gestern die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen über die aktuelle Lage.
Unterdessen fordert der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder wegen Afghanistan einen sofortigen Sondergipfel von Nato und EU. Die Entwicklung in dem Land sei „eine der größte Niederlagen der westlichen Politik“, sagte er gestern gegenüber dem Online-Portal „Bild live“.