IN KÜRZE

GIZ bietet Ortskräften eine Bleibe-Prämie an Evakuierung der Ortskräfte: EU fordert längeren USA-Einsatz

von Redaktion

Die deutsche Entwicklungshilfeagentur GIZ – deren Hauptauftraggeber der Bund ist – bietet afghanischen Ortskräften ein Jahresgehalt als Bleibe-Prämie an. Das berichtet das Magazin „Spiegel“. Dafür müssten diese allerdings schriftlich garantieren, sich nicht für das Ortskräfte-Schutzprogramm der Bundesregierung zu registrieren. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist Dienstleister des Bundes für Entwicklungsprojekte. Das Entwicklungsministerium von Gerd Müller (CSU) bestätigte die Prämie. Die Ortskräfte der GIZ würden „unbürokratisch unterstützt“, zitiert der „Spiegel“ aus einer Antwort des Ministeriums. „Dazu zählen Hilfe bei Unterbringung, Ausreise sowie – wenn sie im Land bleiben wollen – eine finanzielle Unterstützung in Höhe eines Jahresgehalts zur Überbrückung der schwierigen Lage.“ Die Prämie werde von den Ortskräften begrüßt. Laut „Spiegel“ haben sich mehrere Ortskräfte anders geäußert. „Wir wollen kein Geld, sondern Sicherheit“, sagte eine afghanische GIZ-Mitarbeiterin dem Magazin am Telefon. Sie habe den Eindruck, der Bund wolle die Zahl der Menschen, die nach Deutschland kommen, möglichst niedrig halten.

Hilfsorganisationen wollen bleiben

Die meisten humanitären Helfer wollen unterdessen offenbar ihre Arbeit in Afghanistan fortsetzen. Alle Organisationen der Vereinten Nationen würden mit ihren ausländischen und einheimischen Mitarbeitern vor Ort bleiben, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Verweis auf das UN-Informationsbüro in Genf. Auch die meisten der rund 150 nichtstaatlichen Hilfsorganisationen mit tausenden Mitarbeitern wollten ihre Arbeit fortsetzen, schreibt die Zeitung unter Verweis auf eine Einschätzung des UN-Büros in Kabul. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef wird so zitiert: „In vielen Provinzen wurden wir von den Taliban gebeten, dass wir bleiben und unsere nachweislich erfolgreiche Arbeit für Kinder fortsetzen.“

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hält es für unmöglich, bis Ende August alle Ortskräfte aus Afghanistan auszufliegen. Das sei mathematisch unmöglich, sagte er und gab den USA eine Teilschuld. „Das Problem ist der Zugang zum Flughafen. Die Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen der Amerikaner sind sehr streng.“ Die EU habe sich bei der US-Regierung bereits darüber beschwert. „Wir haben sie gebeten, mehr Flexibilität zu zeigen.“ Afghanische Ortskräfte der EU, die das Land verlassen wollten, hätten Schwierigkeiten, aufs Flughafengelände zu gelangen. Borrell schloss sich den Forderungen mehrerer Nato-Staaten an, den Evakuierungseinsatz des US-Militärs am Kabuler Flughafen über Ende August hinaus zu verlängern. „Wenn die Amerikaner am 31. August abziehen, haben die Europäer nicht die militärische Kapazität, den Militärflughafen zu besetzen und zu sichern, und die Taliban werden die Kontrolle übernehmen.“

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