München – Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste Erkrankung des Gehirns. Sie tritt vor allem im höheren Lebensalter auf und schränkt die Bewegungsfähigkeit ein. Ihre Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Rund vier Millionen Menschen sind weltweit betroffen, allein im deutschsprachigen Raum über 350 000 Personen. Dopamin, ein Botenstoff im Gehirn, spielt bei der Erkrankung eine zentrale Rolle. Wenn es nicht mehr in ausreichender Menge produziert wird, kommt es zu Veränderungen bei Bewegungen, zu Muskelsteifheit und Zittern.
Parkinson lässt sich zwar nicht heilen, es gibt aber wirksame Therapien, die die Beschwerden lindern können. Denn die Medizin hat gewaltige Fortschritte gemacht, eine Therapie ist heute viel besser möglich als noch vor wenigen Jahren. Parkinson-Experte und Elstners Co-Autor Dr. Jens Volkmann erklärt Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der rätselhaften Krankheit.
Symptome: Pokerface und Krakelschrift
Je nachdem, welche Nervenzellregionen des Gehirns bei der Krankheit betroffen sind, entstehen unterschiedliche Symptome. Einige davon sind jedoch bei fast allen Patienten vorhanden: Sie zittern, ihre Muskeln werden steif, die Bewegungen werden langsamer und kleiner. Betroffen davon sind fast alle Körperteile. „Die Krankheit beginnt meist im Bereich der Arme und Hände. Die Betroffenen schreiben zum Beispiel langsam und viel zu klein oder haben generell Probleme bei den feinmotorischen Fähigkeiten“, erklärt Dr. Volkmann.
Auffallend sei auch, dass die Arme beim Gehen nicht mehr richtig mitschwingen. „Später kann man feststellen, dass sie anfangen zu hinken, ein Bein wird etwas nachgezogen, die Schritte werden immer kürzer. Manchmal haben sie auch Schwierigkeiten, spontan loszulaufen oder plötzlich anzuhalten“, sagt Volkmann. Im Verlauf der Krankheit kommt es zunehmend vor, dass alltägliche Handlungen wie Zähneputzen, das Schuhebinden oder auch das Anziehen zu einer immer größeren Herausforderung werden, vielleicht ohne fremde Hilfe nicht mehr ordentlich zu bewältigen sind – einfach, weil die Finger nicht mehr so präzise gesteuert werden können.
Man erkennt die Krankheit oft auch an der Mimik der Betroffenen, die sehr eingeschränkt sein kann. „Die zeigen dann eine Art Pokerface, was es schwermacht, die tatsächliche Gefühlslage anhand des Gesichtsausdruckes festzustellen. Dabei sind die Mundwinkel wie gelähmt, das führt zu einem Maskengesicht – der Betroffene lächelt nicht, zeigt scheinbar keine Freude, aber auch keinen Ärger“, sagt Dr. Volkmann.
Behandlung: Sport, Ernährung, Stimulation
Viel Sport, wenig Alkohol und eine gesunde Ernährung: Parkinson-Patienten können selbst gegensteuern und die Krankheit einbremsen. Nehmen die Beschwerden jedoch zu, können Medikamente helfen, die das fehlende Dopamin ersetzen. Dadurch lassen sich die Symptome oft lindern. Da die Medikamente das Fortschreiten der Krankheit aber nicht aufhalten können, reicht ihre Wirkung mit der Zeit nicht mehr aus. Deshalb müssen Art und Dosierung der Mittel immer wieder angepasst werden. „Wenn alle Anpassungen der Medikamente nicht mehr helfen oder Nebenwirkungen zu stark werden, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um über Tiefe Hirnstimulation als Alternative zu sprechen. Dazu ist eine Operation erforderlich, bei der Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns eingesetzt werden. Diese geben kontinuierlich elektrische Reize ab, die die Muskelaktivität beeinflussen und die Wirkung des Dopamins imitieren“, erklärt Prof. Volkmann. SUSANNE HÖPPNER