„Es gibt zu wenig Tierärzte – und hohe Auflagen“

von Redaktion

INTERVIEW Der Präsident der Bayerischen Landestierärztekammer über die Probleme in der Notfallversorgung

Dr. Karl Eckart ist Präsident der Landestierärztekammer Bayern. Er hat selbst eine Tierarztpraxis in Buxheim in Schwaben. Ein Gespräch über den tierärztlichen Notdienst.

Herr Eckart, warum gibt es in so vielen Regionen keinen Notdienst?

Den Dienst gibt es. In Bayern regeln die tierärztlichen Bezirksverbände die Notdienste für Kleintiere. Aber ich gebe Ihnen Recht, in der letzten Zeit gibt es in vielen Regionen Probleme. Seit einem halben Jahr brennt es. Ein Grund liegt darin, dass es zu wenige Tierärzte gibt. Das hat unterschiedliche Ursachen. Zum Teil liegt das auch daran, dass wir Studenten besser vermitteln müssen, was es heißt, Tierarzt zu sein. Es ist nicht die Frau Doktor aus dem Fernsehen, die am Küchentisch am offenen Herzen operiert und sich in den Nachbarn verliebt. Das Bild ist falsch.

Ist denn jeder Tierarzt dazu verpflichtet, Notdienste zu machen?

Ja. Die tierärztlichen Bezirksverbände haben ein waches Auge darauf, dass genügend Notdienste vorhanden sind. Bei Beschwerden kann der tierärztliche Notdienst einfach verteilt werden – diese Weisungsbefugnis haben die Verbände. Aber es scheiden sich die Geister an der Art der Verteilung, etwa, ob 50 Kilometer Anfahrt für die Tierbesitzer zumutbar sind.

Wieso gibt es so wenige Tierkliniken?

Hintergrund ist, dass Kliniken sehr hohe Auflagen haben. Sie müssen beispielsweise rund um die Uhr offen haben und jeden Patienten annehmen. Wenn dann das Personal fehlt, wird es schwierig. Daher geben viele Kliniken ihre Zulassung zurück und nennen sich zum Beispiel „Tierärztliches Zentrum“, um diese Kriterien nicht mehr erfüllen zu müssen.

Warum gibt es keinen zentralen Tiernotdienst, wie man es von Apotheken oder Fachärzten kennt?

Das war bisher nicht nötig. Wir sind sensibilisiert und arbeiten gerade an Lösungen. Wir stehen ja für die Tiere ein. Aber man muss uns auch lassen, auch von der Politik: Wir brauchen flexiblere Arbeitszeiten. Wenn ein Mitarbeiter im Nachtdienst ist, fällt mir diese Person am nächsten Tag im Operationssaal aus. Auch wenn nur, salopp gesagt, der Hamster einmal gehustet hat und behandelt wurde. Ich sage ganz klar: Wir wollen nicht, dass unsere Mitarbeiter mehr arbeiten müssen. Aber flexibler sollte es sein.

Wie hat sich das Verhältnis von Tierbesitzern und Tierärzten entwickelt?

Wir sind medizinische Dienstleister. Unser medizinisches Niveau ist hoch, da müssen wir uns vor den Humanmedizinern nicht verstecken. Aber was sich zum Teil sehr verschärft hat, ist der Ton der Tierhalter. Das ist besonders im Notdienst so, wo die Ärzte sehr stark priorisieren müssen. Auch die tierärztlichen Angestellten erleben teils aggressive Tierbesitzer. Ich würde mir mehr gegenseitiges Verständnis wünschen.

Interview: Heidi Geyer

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