Bayerns erster Tag mit der Ampel

von Redaktion

Zögerlich stellt sich der Freistaat auf neue Regeln ein – Neue Infektionswelle heute beim Schulstart offensichtlich?

München – Man kennt das von der Kreuzung: Wenn die Ampel auf Gelb schaltet, rauschen manche noch schnell drüber, andere steigen voll auf die Bremse. Am ersten Tag mit gelber Ampel in Bayern ist das ähnlich: Nicht jeder reagiert auf das neue Signal. In Münchens U- und S-Bahnen sind noch viele mit alter Maske unterwegs statt mit FFP2. In manchen Lokalen werden von Ungeimpften PCR-Tests verlangt, in anderen Schnelltests oder gar nix.

Offiziell gilt die gelbe „Krankenhaus-Ampel“ seit Sonntag. Wie angekündigt, hat das Gesundheitsministerium am Wochenende diese Warnstufe ausgerufen, weil die Zahl von 450 Corona-belegten Intensivbetten überschritten wurde. Bei 591 ist die Zahl am Sonntag, Tendenz deutlich steigend – was nahelegt, dass die Ampel bald auf Rot schaltet. Ab 600 ist das der Fall, das dürfte schon Anfang der Woche erreicht werden. Dann werden die Regeln stark verschärft: 2G bei Veranstaltungen (vorerst nicht in der Gastronomie und beim Friseur), 3G mit Testpflicht am Arbeitsplatz.

In manchen Branchen hadert man mit den nahenden Regeln. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga meldet zornig, es sei „Utopie“, dass alle ungeimpften Mitarbeiter wie dann nötig zweimal die Woche PCR-Tests vorlegen. „Das wären je Mitarbeiter rund 800 Euro pro Monat“, sagt Präsidentin Angela Inselkammer. In vielen Regionen sei es auch kaum noch möglich, symptomfrei an PCR-Tests heranzukommen. „Die Folge wird sein, dass dem Gastgewerbe massenhaft Mitarbeiter verloren gehen.“ Sie schätzt, dass wie in der Gesamtbevölkerung auch ein Drittel der Mitarbeiter nicht geimpft sei, das mache bei 447 000 Erwerbstätigen in der Branche 150 000 Personen aus.

Spannend wird der heutige Tag auch an Bayerns Schulen. Es ist der erste Tag nach den Ferien. In jeder Klasse werden die ungeimpften Schüler getestet. Droht da eine Riesenwelle an Positiv-Tests? Zwei Sicherheitsnetze sind eingebaut: Die Maskenpflicht im Klassenzimmer gilt nun wieder ein bis zwei Wochen lang, vielleicht auch mehr. Und das Testregime wird verschärft. „Bei einem Infektionsfall in einer Klasse werden die Teilnehmer dieser Klasse künftig verpflichtend eine Woche lang an jedem Schultag getestet“, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Ansonsten gilt der bisherige Rhythmus.

In Bayerns Politik ist das umstritten. Die FDP in Bayern wendet sich gegen die Maskenpflicht im Klassenzimmer. Die Grünen sind hingegen für mehr Vorsicht. „Wir fordern eine noch engere Taktung beim Testen – auch für die Lehrkräfte“, sagt der Grünen-Bildungspolitiker Max Deisenhofer. Er kritisiert, dass Kultusminister Michael Piazolo (FW) es seit Beginn der Pandemie nicht geschafft habe, sicheren Unterricht zu garantieren. Es sei bitter, dass die Kinder nun wieder die Leidtragenden des Pandemiegeschehens seien, sagt Deisenhofer. Heute werde man „auch in den Schulen mehr positive Tests erleben, sodass auch wieder viele Kinder in Quarantäne müssen“.

Entspannung ist derweil in weiten Teilen Oberbayerns nicht in Sicht, hier steht die Ampel regional meist schon auf Rot. Im Süden und Osten verschärfte sich die Lage am Sonntag sogar noch. In Bad Tölz-Wolfratshausen explodierte die Inzidenz, stieg um 400 auf 537. Im Landkreis Ebersberg schnellte die Inzidenz auf über 480 hoch. Der Ort Frauenneuharting, 1580 Einwohner, meldet sogar eine Inzidenz von fast 3000. C. DEUTSCHLÄNDER/M. ACKER

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