Frankfurt – Ein großes Euro-Zeichen wurde zum Jahreswechsel auf die Doppeltürme der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Osten projiziert, dazu erklang Beethovens Ode an die Freude. 20 Jahre ist es her, dass am 1. Januar 2002 in den damals zwölf Euro-Ländern der Euro eingeführt wurde.
Die Deutschen warten fast sehnsüchtig auf die Ausgabe. Bis 1. Januar müssen sie sich nicht gedulden, zumindest bei den Münzen. Schon am 17. Dezember bilden sich vor Bank- und Sparkassenfilialen zum Teil lange Schlangen. Selbst der damalige Bundesbank-Präsident Ernst Welteke ist überrascht. Die Kunden wollen eines der „Starterkits“ ergattern – jene kleinen Plastikbeutelchen mit dem neuen Geld. Für 20 Mark gibt es 20 Euro-Münzen im Wert von 10,23 Euro. Die von der Bundesbank bereitgestellten 53,5 Millionen Geldtütchen sind schnell weg. 550 Millionen Euro-Bargeld werden so vorab verteilt.
An den Euro haben sich die Bürger da zum Teil schon gewöhnt. Denn als Buchgeld war er bereits 1999 mit dem Start der Europäischen Währungsunion eingeführt worden. Seitdem wurden Konten oder Wertpapierdepots in Euro und D-Mark geführt. Mit dem Kurs von 1,95583 DM war und ist die Mark an den Euro gebunden.
Es ist eine riesige, einmalige Umtauschaktion. Letztlich wird sie von Bundesbank, Kreditinstituten und Einzelhandel ohne Probleme über die Bühne gebracht. Bis Ende 2001 werden für die gesamte Euro-Zone etwa 15 Milliarden Banknoten im Wert von 630 Milliarden Euro gedruckt, davon 4,3 Milliarden in Deutschland. Aneinandergelegt wäre das die Strecke von der Erde zum Mond. 51 Milliarden Münzen im Wert von rund 16 Milliarden Euro werden geprägt. Allein für Deutschland sind es 15,5 Milliarden Münzen. Gesamtgewicht etwa 71 500 Tonnen. Für die gesamte Euro-Zone sind es 239 000 Tonnen – das 24-fache Gewicht des Eiffelturms.
Banken, Sparkassen und Unternehmen werden schon ab September 2001 mit den neuen Scheinen und Münzen versorgt. Geldautomaten und Kassen sollen pünktlich zum 1. Januar ausreichend gefüllt sein. 12,4 Milliarden Münzen und rund 2,6 Milliarden Banknoten im Wert von 61,3 Milliarden Euro werden 2001 allein in Deutschland verteilt. In den damals zwölf Euro-Ländern sind es 37,5 Milliarden Münzen und 7,8 Milliarden Banknoten im Wert von rund 233 Milliarden Euro.
Um die Verteilung des Euro-Bargeldes zu stemmen, öffnet die Bundesbank am Neujahrstag ihre 80 Filialen. Auch in Sparkassen- und Bankfilialen kann getauscht werden. Bis Ende Februar gilt eine Übergangsfrist, obwohl die D-Mark zum 1. Januar 2002 ihre Funktion als gesetzliches Zahlungsmittel verliert. Bezahlt werden kann noch mit Mark, das Wechselgeld aber gibt es in Euro. Am 1. März ist die Ära der Mark endgültig vorbei.
In einem Brief zum Jahreswechsel spricht Bundesbank-Präsident Welteke von der lieb gewonnenen D-Mark und von Wehmut, die mit ihrem Ende verbunden sei. Zehn Tage später ist davon kaum noch etwas zu spüren. In Supermärkten, an Tankstellen, an Kinokassen, in Kneipen, Restaurants und beim Friseur werden zu 90 Prozent Euro auf den Tisch gelegt.
Aktuell signalisieren 78 Prozent der Bürger in Euro-Land laut EZB Zustimmung zu ihrer Währung, 14 Prozent halten sie für eine schlechte Sache. In Deutschland stehen 80 Prozent hinter dem Euro, 14 Prozent halten ihn für schlecht. Auch das dürfte ein Grund dafür sein, dass die Notenbank ein frischeres und womöglich näher an der Realität orientiertes Design für die Euro-Noten entwickeln will – unter Einbeziehung der Bürger. Derzeit prangen auf den Scheinen fiktive Brücken, Tore und Türen. Nach 20 Jahren sei es Zeit für eine Auffrischung, sagt EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Es wird aber mindestens bis 2025 dauern, bis die Menschen die neu gestalteten Scheine in den Händen halten können. Dann wird es möglicherweise auch einen digitalen Euro geben. Eine Entscheidung darüber soll 2022 fallen. ROLF OBERTREIS