„Der Rattenberger Hans lebt gleich drüberhalb der Straße, ebenso am Bach, und ist Junggeselle. Seine Schwester Kreszenzia versorgt ihm das Hauswesen. In kalten Zeiten, das Brennholz ist rar, nimmt er Kälber vom Stall, aber auch die Hühner mit ins Haus rein, um etwas Wärme zu bekommen. Kleidung lässt er sich schenken, denn zum Kaufen geht er nicht und legt keinen Wert auf persönlichen Chic. Reißt mal der Knopf an der Hose ab, der sie vorne zusammengehalten hat, tut’s auch ein langes Sisalbindegarn, um den Leib gewickelt – und die Hose hält wieder vom Abrutschen. Und wenn der Hosenspalt nicht dicht ist, schiebt man ein Stück Pappkarton hinein.
Einer Bank traut der Hans überhaupt nicht. Sein Bargeld pflegt er immer bei sich zu tragen.
Doch einmal geschieht es: Die Arbeit im Stall macht warm, denn warm ist es dort ohnehin von der Überbesetzung. Also zieht Hans seine Jacke aus, in der die kostbaren Scheine sind, und hängt sie an den Pfosten der Fressgitterabsperrung, wo er sie sicher aufbewahrt glaubt. Geht an seine Arbeit, Füttern und Ausmisten, denn das sind seine zwei Haupttätigkeiten. Nach getaner Arbeit – bei ihm geht alles flott von der Hand, wenn nicht gar etwas wurschtig – die Jacke wieder angezogen.
Und irgendwann greift er nach seinem kostbaren Schatz, dem baren Geld. Doch die Innentasche ist leer!
Dem Hans stockt der Atem. In Sekundenschnelle greift er durch alle Taschen. „Das kann nicht sein!“ Er wird bleich, und der graue Wochenbart wirkt noch borstiger, als er schon war. Die schönen Scheine, wie aus der Welt. Sie waren der Erlös von einer verkauften Kuh, über zehn Hunderter-Scheine und noch etwas, alles dahin, in seinem eigenen Stall, seiner Lebenswelt! Schlaflos die Nächte über dieses Unglück; seine Schwester Kreszenzia, genannt Zenzl, grob angeredet: „Hast du mein Geld?“ Doch sie in ihrer Seelenruhe: „Um Gottes willen, was kümmert mich dein Geld.“
Doch irgendwann in seinem verzweifelten Zustand dämmert ihm etwas. Er greift kriminalistisch gestimmt zu einer Zeitung und hält sie der Kuh, die am nächsten zu der Fressgittersäule angehängt ist, vors Maul. Die auf die Probe gestellte Vierbeinerin schnuppert erst einmal, greift aber dann rasch zu, und Hans’ Befürchtungen bestätigen sich. Sein Hass und Groll entladen sich auf dieses arme Tier: „Du hast mein schönes Geld aus der Tasche gefressen!“ Weinend sucht er noch nach dem „veredelten“ kostbaren Futter, am hinteren Ende der Kuh, wo es, gut wiedergekäut, zum Vorschein gekommen sein muss. Es liegt – leider –, bestens verwertet, schon als brauner Brei im Mistgraben.“