„Er war unbequem – und das ist gut“

von Redaktion

Abschiedsbesuch beim Gesundheitsminister: Klaus Holetschek will Claus Fussek mit dem Weißem Engel auszeichnen

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte Claus Fussek ins Ministerium eingeladen. Er will diesen Austausch beibehalten. Einige Sätze Fusseks benutzt er inzwischen selbst, verrät er.

Claus Fussek hat Sie vor ein paar Tagen im Ministerium besucht. Was war seine Botschaft an Sie?

Wir haben uns intensiv ausgetauscht. Zum Beispiel darüber, wie wir die Palliativ- und Hospizmedizin in den Heimen verbessern müssen. Er hat mir eindrücklich Fälle geschildert. Herr Fussek spricht oft von einer humanitären Katastrophe in der Pflege – das ist ein Begriff, den ich mittlerweile auch verwende. Zumindest in Bezug auf die Zukunft, wenn wir jetzt nicht ganz rasch handeln.

Er selbst sagt, er habe in all den Jahren nichts verändert. Wie beurteilen Sie seine Rolle?

Claus Fussek hat viel erreicht. Er hat ein Bewusstsein geschaffen für das Thema Pflege, den Finger immer wieder in die Wunde gelegt und unermüdlich auf die Missstände hingewiesen. Er war unbequem – und das ist gut.

Für viele Menschen war er ein wichtiger Ratgeber. Fehlen solche Anlaufstellen in Bayern?

Wir haben allein rund 110 geförderte Fachstellen für pflegende Angehörige und die Pflegestützpunkte. Aber wir müssen diese Angebote noch besser zu den Menschen bringen. Nicht alle, die plötzlich betroffen sind und Hilfe brauchen, wissen, an wen sie sich wenden können.

Unsere Gesellschaft wird älter, schon jetzt fehlen Pflegekräfte. Wie besorgt sind Sie deswegen?

Ich denke viel darüber nach, wie wir Pflegedienste und vor allem pflegende Angehörige mehr entlasten können. Etwa durch ein Pflegezeit-Geld, Kurzzeit- und Tagespflegeangebote, steuerliche Vorteile. Die Pflege ist jetzt schon am Limit, wenn uns noch pflegende Angehörige wegbrechen, haben wir ein riesiges Problem. Herr Fussek sagt oft, wir müssen das System von den Pflegebedürftigen her denken. Damit hat er völlig recht.

Ist die Politik nah genug dran an den Menschen, um Missstände rechtzeitig zu erkennen?

Wir sehen die Probleme und wissen: Es fehlt Personal. Wir haben Stellen geschaffen – aber uns fehlen Menschen. Viele überlegen, ob sie diesen Beruf weiter ausüben wollen, obwohl sie dafür brennen. Da ist nicht nur die Politik gefordert – sondern auch die Arbeitgeber. Wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir Beratung, Unterstützung und Kontrollen, etwa durch den Medizinischen Dienst, verbessern können. Obwohl viele Pflegekräfte ihre Arbeit sehr gut machen, passieren Dinge, die nicht tolerabel sind. Denen müssen wir nachgehen – und dafür sorgen, dass sie gar nicht erst geschehen.

Werden Sie mit Claus Fussek im Austausch bleiben?

Ja, ich möchte den Kontakt auf jeden Fall beibehalten. Und ich möchte ihm ehrenhalber den Weißen Engel verleihen. Das ist eine Auszeichnung primär für pflegende Angehörige, und er hat sie mehr als verdient. Er setzt sich mit so großer Leidenschaft für die Pflege ein – wir werden sicher weiterhin von ihm hören.

Interview: Katrin Woitsch

Artikel 3 von 3