Schwäbisch Hall – Der russische Staatschef Wladimir Putin nutzt nach Einschätzung von SPD-Chef Lars Klingbeil in der Ukraine-Krise die Schwäche Europas aus. „Europa ist gerade schwach. Das ist das, was Putin für sich analysiert hat“, sagte der per Video zugeschaltete Klingbeil am Mittwoch bei der Wirtschaftsveranstaltung „Gipfeltreffen der Weltmarktführer“ in Schwäbisch Hall. Zur Rolle Deutschlands sagte Klingbeil: „Natürlich habe ich ein großes Interesse daran, dass Deutschland wieder auftritt in der Frage der Russland-Politik.“
Sollte Russland die Ukraine angreifen, müssten laut Klingbeil alle Optionen auf dem Tisch liegen. Ob zu möglichen Sanktionen auch die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 gehören könnte, ließ er weiter offen. „Wenn es um die Frage der Gas- und Energiepolitik geht, müssen wir Abhängigkeiten auch zu Russland reduzieren“, sagte der SPD-Politiker.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko forderte Deutschland in der „Zeit“ dazu auf, sich von Nord Stream 2 zu „verabschieden“. Er verstehe, dass die Pipeline gut für die deutsche Wirtschaft wäre, sagte Klitschko. „Aber Abhängigkeit von Russland ist gefährlich. Es ist doch kein Geheimnis, dass die Russen nicht nur die Ukraine wieder in ihre Einflusszone bringen wollen.“ Klitschko erneuerte auch seine Forderung nach deutschen Waffenlieferungen an sein Land.