Liebesglück in Zeiten der Pandemie

von Redaktion

VON THERESA KUCHLER

München – Martin Angermaier musste ganz schön frieren, als er Julia Lampl zum ersten Mal getroffen hat. Für einen Spaziergang am Ammersee, in der herbstlichen Kälte. „Da hatte ich definitiv die falsche Jacke an“, sagt der 26-jährige Landsberger und lacht. Er hat tapfer durchgehalten. Und es sollte sich lohnen: Inzwischen ist Julia seine feste Freundin.

Das Paar ist mitten im zweiten Corona-Winter zusammengekommen. Gesucht und gefunden – im Internet. „Wo soll man sich gerade sonst kennenlernen?“, sagt Martin. „Da bleibt einem ja nichts anderes übrig als Online-Dating.“

Gesucht und gefunden: Julia und Martin

Der Kinderpfleger, der gerade eine Umschulung zum Zimmerer macht, hatte sich bereits Anfang letzten Jahres auf „Facebook-Dating“ angemeldet, der eigenen Dating-App der Internetplattform Facebook. Alter, Wohnort, Größe – ein paar Angaben, und der Algorithmus startet die Suche nach dem passenden Partner. Mit Geduld und einem Fünkchen Glück finden dann die Richtigen zusammen. Wie Julia und Martin.

Es war Julia, die die Initiative ergriff. Im September schrieb die Medizinische Fachangestellte Martin das erste Mal eine Nachricht. „Ich hatte mich da gar nicht selbst angemeldet“, sagt die 32-Jährige aus Dießen im Kreis Landsberg am Lech. „Das war meine Kollegin. Sie hat alle Singles aus der Arbeit bei Facebook-Dating angemeldet.“ Julia schmunzelt. Der Verkupplungs-Versuch ihrer Kollegin hat gefruchtet.

Anfangs konnte sich das Paar noch auf neutralem Boden kennenlernen. Einige Male sind sie zusammen essen gegangen. Als die Corona-Maßnahmen verschärft wurden und in den Wirtshäusern 2G galt, fielen die Restaurantbesuche allerdings erst einmal weg. Martin war noch nicht vollständig geimpft. Auch die geplanten Ausflüge in die Therme und nach Bozen fielen Corona-bedingt flach.

„Ich habe also früh zugelassen, dass er zu mir nach Hause kommt, weil wir sonst nirgends hinkonnten“, sagt die 32-Jährige. „Das war schon ein komisches Gefühl.“ Immerhin kannten sie sich erst kurz. „Und bei Internet-Dates weiß man ja nie“, sagt Julia und lacht. „Es hat sich aber gelohnt, mutig zu sein.“ Bald lernte Martin Julias große Familie kennen. Papa, Geschwister, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins – alle samt Anhang, viele auf einmal. Er wurde ins kalte Wasser geschmissen. „Das gehört bei uns halt dazu“, sagt die 32-Jährige schmunzelnd. Inzwischen ist Martin immer dabei.

Und wie feiert das Paar den ersten gemeinsamen Valentinstag? „Wir wollen zusammen essen. Und dann wird es ein entspannter Abend auf dem Sofa.“

Liebe statt Fasching: Luca und Amelie

Eigentlich kennen sich Luca Maier und Amelie Nießl schon ewig. Sie waren zusammen auf der Realschule und lange Zeit beste Freunde. „Dass wir zwei einmal ein Paar sind, hätte ich nie gedacht“, sagt die 22-Jährige. Sie sitzt neben ihrem Freund auf dem Sofa in der gemeinsamen Wohnung in Olching, Kreis Fürstenfeldbruck. Im vergangenen Dezember ist das junge Paar dort eingezogen, nach einem Jahr Beziehung.

Der 24-Jährige und seine Freundin hatten sich nach der Schule eine Weile aus den Augen verloren. Beide starteten ins Berufsleben: er als Werbetechniker und sie als Medizinische Fachangestellte. Zusammengefunden haben sie erst wieder in einer Zeit, in der das Kennenlernen schwieriger war denn je: im Corona-Winter 2020. Der Fasching brachte sie zusammen. Zwar gab es den im vergangenen Jahr auch in Olching nicht. Ein Prinzenpaar hatte die Olchinger Faschingsgilde aber trotzdem proklamiert: Luca und Amelie.

Beide verbindet die Leidenschaft zum Fasching, die ihnen schon in die Wiege gelegt wurde. Jetzt stellen sie das Jubiläums-Prinzenpaar zum 50-jährigen Bestehen der Gilde. „Luca hat mich gefragt, ob ich seine Prinzessin sein will“, sagt Amelie und lächelt. Natürlich hat sie Ja gesagt. Aus dem Prinzenpaar wurde ein Liebespaar.

Eine „richtige Datingphase“ gab es aber nicht, erzählen die zwei. Weil sie sich schon so lange kennen. Und weil Unternehmungen im Lockdown ohnehin schwierig waren. Restaurants, Kinos und Cafés hatten geschlossen. „Wir haben halt das gemacht, was möglich war“, sagt Luca. Zum Beispiel Spaziergänge mit seinem Hund – und überhaupt alles an der frischen Luft. Sich immer in der Kälte zu treffen, war auf Dauer aber nicht das Wahre. „Wir haben uns dann also viel bei unseren Familien getroffen“, sagt Amelie. Erst Monate später konnte das Paar das nachholen, was es wegen Corona verpasst hatte. „Im Sommer 2021 sind wir zum ersten Mal zusammen essen gegangen.“

Amelie und Luca finden, dass sie sich genau im richtigen Moment gefunden haben. Trotz oder gerade wegen des Lockdowns. „Es war ja für niemanden eine einfache Zeit“, sagt die 22-Jährige. „Aber wenigstens konnten wir uns gegenseitig unterstützen.“

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