Christian Schedl aus Markt Schwaben fackelte nicht lange. Als der 50-Jährige aus dem Landkreis Ebersberg im Fernsehen die Not der Menschen in der Ukraine sah, setzte er sich in seinen Mercedes V-Klasse, fuhr an die polnisch-ukrainische Grenze und sammelte mit einem Schild „Munich 6 x free“ binnen 20 Minuten vier Fahrgäste auf. Sie waren zunächst ungläubig und zweifelnd, dann aber froh, das unverhoffte Angebot angenommen zu haben.
Mit drei Frauen zwischen 31 und 63 sowie einem siebenjährigen Mädchen machte sich der Unternehmensberater auf den Weg zurück. Verständigung war kaum möglich. „Deutsch sprach keine, Englisch kaum“, erzählt der dreifache Familienvater. Die Flüchtlinge wollten aber nicht bleiben, sondern weiter – zu Verwandten oder Bekannten, oder zum Ehemann, der Wanderarbeiter in Lissabon ist. Von Markt Schwaben aus machten die Nachrichten schnell die Runde. Spenden flossen für die nötigen Tickets. „Quasi ein positiver Schneeballeffekt“, sagt Schedl. Seine Kinder finden es inzwischen cool, was der Papa gemacht hat. Und der ist fest entschlossen, bald wieder Richtung Grenze zu fahren. JÖRG DOMKE