Darmkrebs ist tückisch, denn wenn man erste Symptome spürt, ist er meist weit fortgeschritten. Dabei könnte er durch Vorsorge wie Stuhltests oder eine Darmspiegelung (Koloskopie) gut vermieden werden. Ein Gespräch mit Professor Wolfgang Fischbach, Vorsitzender der Gastro-Liga, einem Ärzte-Verein, der sich auch für Darmkrebsvorsorge starkmacht.
Herr Fischbach: Wie merke ich, dass mit meinem Darm etwas nicht stimmt?
Das merken Sie im Frühstadium gar nicht, deswegen ist Vorsorge so wichtig. Wenn Sie Symptome haben, etwa Bauchschmerzen, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl, ist das Stadium der Krebserkrankung in der Regel schon fortgeschritten. Unter Umständen hat der Tumor dann schon Metastasen gesetzt.
Darmkrebs ist also besonders tückisch?
Richtig. Eine Krebsform, die im Prinzip fast immer vermeidbar wäre, weil sich Darmkrebs über viele Jahre aus gutartigen Polypen entwickelt und man die Chance hat, diese Polypen durch die Vorsorge zu entdecken, zu entfernen – und damit einer Krebsentwicklung vorzubeugen. Darmkrebsvorsorge ist die effektivste Vorsorge überhaupt, noch vor dem Brustkrebs-Screening. Wenn man auf klinische Symptome wartet, ist Darmkrebs meist schon weit fortgeschritten, die Heilungschancen sinken.
Ist Darmkrebs Veranlagung oder spielt auch der Lebensstil eine Rolle?
Beides. Wenn Sie in der erstgradigen Verwandtschaft jemanden mit Darmkrebs haben, haben Sie ein erhöhtes Risiko. Das ist jetzt keine vererbte Erkrankung, sondern eine Disposition. Deswegen gibt es die Empfehlung, dass solche Risikopatienten zehn Jahre früher eine Vorsorge bekommen, als der Angehörige erkrankt ist. Beispiel: Wenn der Vater mit 55 Darmkrebs bekommen hat, sollte der Sohn schon mit 45 zur Vorsorge. Es gibt auch einen vererbten Darmkrebs, aber mit ein bis zwei Prozent ist der Anteil an der Gesamtzahl der Darmkrebserkrankungen doch sehr gering.
Und der Lebensstil?
Der spielt auch eine Rolle. Übergewicht ist ein eindeutiger Risikofaktor. Wir wissen auch, dass tierische Fette wie Fleisch und verarbeitete Wurst ein Risikofaktor sind und mediterrane Kost vor Darmkrebs zu schützen vermag. Viel Gemüse, Obst und Olivenöl sind gut. Auch Rauchen und Alkohol erhöhen das Risiko, ebenso Bewegungsmangel. Ein gesunder Lebensstil senkt das Risiko für Darmkrebs. Das ist die primäre Prävention, die sich an jeden richtet. Die Vorsorgeuntersuchungen sind dann die sekundäre Prävention, die das Ziel verfolgt, Menschen, die noch keine Symptome haben, aber bereits Krebs oder Vorstufen zum Krebs, also Polypen, in sich tragen, zu identifizieren.
Wie viel Bewegung ist denn nötig, um einen Vorsorge-Effekt zu erzielen?
Es ist durchaus ausreichend, wenn Sie spazieren gehen oder Nordic Walking machen. Zwei- bis dreimal die Woche 20 bis 30 Minuten sind eine gute Dosis. Es geht auch um ganz banale Dinge. Treppensteigen statt Liftfahren, oder keine Zwischenmahlzeiten. Diese Snacks zwischendurch sind meist sehr zuckerhaltig und der Körper bekommt zusätzliche Kalorien zugeführt.
Gibt es eine Faustregel, wie lange ich vor dem Schlafengehen nichts mehr essen soll?
Für die Darmkrebsprävention spielt das erst einmal keine Rolle. Schauen Sie nach Griechenland, Spanien oder Italien: Die essen sehr viel später als wir, die Darmkrebsinzidenz ist dort aber eher niedriger. Man darf auch nicht einen Faktor alleine sehen, die Ausgewogenheit ist das Entscheidende. Beim Thema Übergewicht ist das mit dem späten Essen ein bisschen anders. Wenn jemand abnehmen will, ist ein Intervall von vier bis sechs Stunden zwischen dem letzten Essen und dem zu-Bett-Gehen sicher nicht schlecht.
Was dann wieder gut für die Krebsvorsorge ist.
Da schließt sich dann der Kreis.
Interview: Wolfgang Hauskrecht