Kliniken müssen planbare Eingriffe verschieben

von Redaktion

Bayerns Krankenhausgesellschaft: Jeder fünfte Mitarbeiter fällt aktuell wegen Corona aus

München – Rund 5000 Covid-Patienten behandeln Bayerns Kliniken derzeit, etwa 410 davon liegen auf Intensivstationen. Vor einer Woche waren es noch knapp 450 Intensivpatienten, Anfang Dezember sogar mehr als 1000. „Die aktuellen Zahlen lesen sich jetzt vielleicht nicht besorgniserregend“, sagte Eduard Fuchshuber, Sprecher der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG), unserer Zeitung. Doch was sich überschaubar anhöre, verdecke das eigentliche Problem. „In vielen Kliniken fallen aufgrund von Corona-Infektionen derzeit 20 Prozent des Personals und mehr aus“, sagte Fuchshuber. Einerseits, weil die Mitarbeiter selbst erkranken, oft aber auch, weil sie sich um ihre kranken Kinder kümmern müssen. Und das, wo die Branche ohnehin schon schwer unter Personalmangel leidet.

Der verschärfte Engpass bleibt nicht folgenlos. Zwar könnten noch immer alle Notfälle wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte versorgt werden, aber viele planbare Operationen, so Fuchshuber, müssten verschoben werden. „Es kommt vor, dass Patienten, die bereits für eine Operation im Krankenhaus sind, wieder heimgeschickt werden müssen, weil Personal fehlt.“ Auch Krebspatienten seien unter den Betroffenen.

Folgt man Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), wäre damit zumindest ein Kriterium, wenn nicht gar zwei, für eine Hotspot-Regelung im Freistaat erfüllt. Der Bund nannte vier Kriterien – die nicht alle zugleich zutreffen müssen: die Verschiebung planbarer Eingriffe, die Gefährdung der Notfallversorgung, das Unterschreiten von Personalgrenzen im Pflegebereich und der Zwang zur Verlegung von Patienten in andere Krankenhäuser. Bayern hat sich gestern trotzdem gegen Hotspot-Regeln entschieden. Begründet wird das vor allem mit einem Mangel an Rechtssicherheit. Auch viele andere Bundesländer entschieden sich so wie der Freistaat (siehe auch Artikel rechts).

Eine weitere Sorge der Krankenhäuser ist: Durch das Wegfallen vieler Maßnahmen könnte das Gefühl entstehen, die Pandemie sei mehr oder weniger vorbei. „Wir appellieren an die Bevölkerung, sich weiter vor Infektionen zu schützen“, sagte Fuchshuber. Auch dass die Staatsregierung Erleichterungen bei den Quarantäneregeln in Aussicht gestellt hat – und infiziertes Klinikpersonal somit schneller an den Arbeitsplatz zurückkehren könnte – beruhigt die BKG nur bedingt. Die Krankenhausgesellschaft ruft die bayerischen Kliniken dazu auf, auch in diesem Fall den Infektionsschutz weiter hochzuhalten und eigenverantwortlich abzuwägen, wo eine kürzere Quarantäne wirklich nötig und verantwortbar ist. Auch weist die BKG die Krankenhäuser darauf hin, dass diese ihre Testkonzepte eigenverantwortlich fortführen können – auch wenn die Testpflicht derzeit vorübergehend ausgesetzt ist. Und auch an die Politik hat die BKG eine Botschaft. „Wir würden uns klarere Zeichen und praktische Vorgaben wünschen, wie der Infektionsschutz nun weitergeht“, sagte Fuchshuber.

SEBASTIAN HORSCH, WHA

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