Kiew/Moskau – Wie viele Soldaten sind auf russischer und ukrainischer Seite bisher gefallen? Die Angaben gehen weit auseinander – je nachdem, von welcher Seite sie kommen. „In Wirklichkeit wissen wir gar nichts darüber“, sagt Michael Kofman vom US-Thinktank CNA. Es ist üblich, dass sich die Gegner mit Angaben über eigene Opfer zurückhalten. Und die schwer überprüfbaren offiziellen Zahlen sind mutmaßlich zu niedrig angesetzt.
Der russische Generalstab gab bisher den Tod von 1351 Soldaten zu, 3825 weitere seien verwundet. Die Nato schätzt, dass von den bis zu 200 000 russischen Soldaten in der Ukraine 30 000 bis 40 000 kampfunfähig sind – weil sie getötet, verwundet oder gefangen genommen wurden.
Kiew hat zuletzt am 12. März Zahlen genannt. Demnach wurden bis zu diesem Zeitpunkt 1300 ukrainische Soldaten getötet. Im Krieg wird üblicherweise davon ausgegangen, dass auf einen Toten drei Verletzte kommen. Das hieße, dass mehr als 5000 ukrainische Soldaten außer Gefecht sind. Auch diese Zahl ist wohl zu niedrig. Dennoch dürften die ukrainischen Verluste aufgrund der defensiven Position geringer sein. Dies umso mehr, als die Ukraine mehr auf Guerilla-Operationen als auf direkte Konfrontation setzt.
Die Website oryxspioenkop.com versucht anhand von Fotos und Videos aus den Kampfgebieten die Verluste zusammenzutragen. Demnach verlor die russische Armee bis zum Dienstag 318 Panzer, mehr als 550 gepanzerte Fahrzeuge, 16 Kampfflugzeuge, 35 Hubschrauber und zwei Schiffe. Die Ukraine büßte laut der Website 79 Panzer, weniger als 200 gepanzerte Fahrzeuge, zwölf Kampfflugzeuge und 13 Schiffe ein.
Die militärischen Kapazitäten der Ukraine sind zwar geringer, doch seit der Annexion der Krim 2014 hat die Ukraine mit Unterstützung des Westens massiv aufgerüstet. Der Militärhaushalt hat sich bis 2021 auf 3,5 Milliarden Euro verdreifacht, die Kommandostruktur wurde reformiert. Nicht zuletzt verfügt die Ukraine über ein großes Reservoir an Streitkräften. Zu den 130 000 Mann an Bodentruppe kommen hunderttausende Reservisten und Angehörige der Freiwilligenbataillone. „Die ukrainischen Verluste sind wahrscheinlich substanziell“, sagt ein britischer Experte, der anonym bleiben möchte. „Aber ihre Kampftruppen sind in Wirklichkeit größer als die der Russen, da sie über tausende ukrainische und ausländische Freiwillige verfügen.“ afp