Als „Anwalt der Verbraucher“ sollte die Stiftung Warentest agieren, sagte Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker 1964 bei der Gründung der neutralen Prüfinstitution. Nähmaschinen und Handrührgeräte waren die ersten getesteten Produkte. Bis heute werden Haushaltsgeräte noch immer regelmäßig geprüft – aber die Geschichte der Stiftung Warentest zeigt: Es geht auch weitaus skurriler.
Der Blick zurück auf die bunte Produktpalette offenbart nicht nur die Konsumvorlieben der Deutschen, sondern ist gleichzeitig Spiegel der Gesellschaft. 1969 teste die Stiftung Warentest Hostessen-Schulen. Drei Jahre zuvor hatte die Stiftung Warentest nach der ersten „test“-Ausgabe bereits mit heftiger Kritik zu kämpfen. Das Heft sei „mit Sex aufgezogen“, hieß es damals im Bundestag, weil zwei Damen auf dem Cover mit den getesteten Geräten posierten.
1970 war die sexuelle Revolution dann schon so sehr im Gange, dass auch FFK-Urlaube getestet werden konnten. Der zunehmende Wohlstand der Gesellschaft lässt sich an vielen Testprodukten, die folgten, ablesen: Dosenspargel, Stützstrümpfe und Bettwärmer (1971), Außenbordmotoren (1972), Filmklebepressen (1973), Handstrickapparate und Hosenkorsetts (1974), Schuhputzmaschinen (1975), Telefonkabel-Aufroller und PVC-Badeboote (1977), Spielzeugwaffen und Tierpensionen (1978) sowie aufblasbare Schlitten (1979) wurden getestet.
In den 1980er-Jahren stehen unter anderem die Hygiene in Hallenbädern (1981), elektrische Tischorgeln (1983), Bügelaufsätze für Föhns (1984), Aquarienleuchten und Detekteien (1985), Fußballstadien in Mexiko (1986), Backgammon-Computer (1987), Aufklärungsbücher und Partnervermittlungen (1988) sowie Grabpflege-Angebote (1989) auf dem Prüfstand.
In den 1990er-Jahren wurden Tisch-Gyrosstäbe (1990), Glücksspiele und luststeigernde Sexualtonika (1992) getestet. Atemschutzmasken wollte die Stiftung Warentest 1989 eigentlich einmal und nie wieder testen – bis das Jahr 2020 kam und die Bevölkerung sich mit Ausbruch der Pandemie wieder um deren Qualität sorgte. Als Tester der Nation sahen sie sich wohl einfach mal wieder in der Pflicht. sco