So arbeiten die Tester der Nation

von Redaktion

Immer wieder wird die Stiftung verklagt, weil Hersteller mit den Bewertungen nicht zufrieden sind – die wichtigsten Fragen im Überblick

Das Qualitätsurteil der Stiftung Warentest kommt für viele Deutsche quasi direkt nach dem Grundgesetz: 96 Prozent aller Deutschen kennen die Stiftung. 80 Prozent vertrauen ihr laut einer Umfrage sehr. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen zu den Warentestern.

Neutralität ist das oberste Gebot der Stiftung Warentest. Aber wie bleibt sie unabhängig?

Laut Satzung darf sie keine Einnahmen durch Werbeanzeigen erzielen. 1964 vom Bundestag gegründet, will die Stiftung Warentest so frei vom Einfluss von Herstellern und Dienstleistungsanbietern bleiben.

Wie finanziert sich die Stiftung Warentest?

Weil die Stiftung keine Werbeeinnahmen erzielen darf, bekommt sie eine jährliche Ausgleichszahlung vom Staat. Diese macht aber nur 3,4 Prozent der fast 62 Millionen Euro an Einnahmen aus (Stand 2020). Zum Großteil finanziert sich die Stiftung durch die Publikation ihrer Testergebnisse, also durch den Verkauf ihrer Bücher, Zeitschriften und die kostenpflichtige Internetseite. Für 1,50 Mark erschien 1966 das erste Heft. Heute kostet „test“ 6,90 Euro. 8,7 Prozent der Einnahmen werden durch „Markenlizenzen“ erzielt – für die Verwendung der Siegel müssen Hersteller zahlen.

Wie werden Tests durchgeführt?

An einer Untersuchung sind meist bis zu drei Institute beteiligt. Die Produkte, die die Stiftung in rund 100 unabhängigen Instituten nach wissenschaftlichen Methoden testen lässt, kaufen Einkäufer zuvor anonym im Handel. Neben jährlich rund 25 000 Produkten testet die Stiftung verdeckt etwa auch Banken und Versicherungen.

Wie wird entschieden, was getestet wird?

Seit 1964 hat die Stiftung Warentest über 100 000 Testvergleiche durchgeführt. Die Themen ergeben sich seither einerseits durch Vorschläge aus dem Kuratorium, der Anbieter, der Verbraucherzentralen sowie der Prüfinstitute. Andererseits liefern Nutzer der Internetseite und Leser ebenso Vorschläge wie die eigenen Mitarbeiter. „Wir testen meist Produkte für die breite Masse. Nischenprodukte wie Weinkühlschränke eher nicht – aber man weiß nie“, sagt Holger Bracke-mann, der den Bereich Untersuchungen leitet.

Wie wird benotet?

Die Stiftung Warentest vergibt Noten von „sehr gut“ bis „mangelhaft“. Diese Gesamtnote setzt sich aus den einzeln geprüften Eigenschaften zusammen. Bei Haushaltsgeräten sind das etwa Funktion, Handhabung, Haltbarkeit, Strom- und Wasserverbrauch, Lärmbelastung sowie Sicherheit. Häufig hat die Stiftung höhere Ansprüche, als Gesetze hergeben. Die Stiftung kann Produkte als „mangelhaft“ bewerten, obwohl sie den rechtlichen Anforderungen entsprechen.

Welche Folgen hat das?

Der Handel listet schlecht getestete Produkte häufig schnell aus, so der Eindruck von Tester Brackemann. „Uns erreichen aber auch regelmäßig Anwaltsschreiben und Abmahnungen“, sagt er. Einige wenige landen vor Gericht. „Gerade streiten wir mit einem Matratzen-, einem Rauchmelder- und einem Wolldeckenhersteller.“

Welche Tests schlugen medial die höchsten Wellen?

Uschi Glas stieg 2001 ins Kosmetikgeschäft ein. Ihre Creme „Hautnah“ würde Pickel verursachen, lautete das Test-Urteil. Ein Gericht gab den Testern 2006 Recht. Anders lief es 2014: Ritter Sport siegte vor Gericht, nachdem Warentest seine Schokolade wegen eines angeblich chemisch hergestellten Aromastoffs als „mangelhaft“ bewertet hatte. „2006 standen wir öffentlich in der Kritik“, sagt Brackemann. „In vier WM-Stadien hatten wir Mängel festgestellt. Uns ging es um Sicherheit – andere dachten, wir wollten der Nation jetzt den Fußball madig machen.“ CORNELIA SCHRAMM

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