Sind russische Spezialkräfte für Massaker verantwortlich?

von Redaktion

Augenzeugen berichten von brutalen Einheiten des Geheimdienstes und der Nationalgarde – Noch mehr Opfer in Borodjanka befürchtet

Kiew – Nach den Tötungen von Zivilisten in Butscha mehren sich Augenzeugenberichte, dass russische Spezialkräfte des Geheimdienstes FSB sowie der Nationalgarde maßgeblich dafür verantwortlich sind. Anfangs seien vorwiegend junge russische Soldaten da gewesen, erzählte etwa die 43-jährige Bewohnerin Olena Reportern der französischen Nachrichtenagentur AFP. „Dann, zwei Wochen später, kamen andere, ältere.“ Sie seien älter als 40 gewesen. „Sie waren brutal. Sie haben alle misshandelt. Und dann begannen die Massaker. Direkt vor meinen Augen schossen sie auf einen Mann, der zum Einkaufen in einen Supermarkt gehen wollte. Die älteren Soldaten seien „sehr gut ausgerüstet“ gewesen und hätten schwarze und dunkelgrüne Uniformen getragen – anders als die Standarduniform der russischen Armee. „Es gab einige gute Kerle unter den russischen Soldaten, und da waren einige sehr raue Männer vor allem vom FSB“, erzählt Olena. Einfache russische Soldaten hätten ihr und ihren Kindern Lebensmittel gebracht, sagt sie. „Sie waren es, die uns gesagt haben, dass der FSB uns verboten hat herumzulaufen, dass es sehr gewalttätige Spezialeinheiten sind. Es waren Russen, die das über Russen gesagt haben.“

Der Bildhauer Witali Sinagin, 45, berichtet im Magazin „Spiegel“, wie er nur knapp überlebte. Soldaten hätten ihn angehalten, befragt, ihm eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt, gedroht, ihn anzuzünden, ihn mit Knüppeln verprügelt und verlangt, er solle „Ruhm sei Russland“ rufen. Er habe sich geweigert und sei irgendwann bewusstlos geworden. Als er aufwachte, seien die Männer weggewesen. Sinagin ist sich sicher, dass es Tschetschenen waren. Sie hätten in einer anderen Sprache gesprochen, schwarze Uniformen getragen, seien besser ausgerüstet gewesen. In der Ukraine sind laut „Spiegel“ tschetschenische Einheiten der russischen Nationalgarde im Einsatz.

In der Region um Kiew wurden bisher die Leichen von 410 Zivilisten gefunden, die meisten in Butscha. Womöglich könnte es andernorts noch schlimmer sein, etwa im 25 Kilometer von Butscha entfernten Borodjanka. „Die Gräueltaten in Borodjanka werden die in Butscha in den Schatten stellen“, zitiert ein örtlicher Journalist Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa auf Twitter. AFP-Reporter sahen dort keine Leichen auf den Straßen, Einheimische berichteten ihnen aber von vielen Toten. Trotz des Truppenabzugs geht der Beschuss der Region Kiew weiter. Derweil sammeln sich im Süden und Osten russische Kräfte. „Wir wissen, dass die Russen stärker werden und sich auf einen Angriff vorbereiten“, sagte ein ukrainischer Offizier. afp, dpa

Artikel 3 von 3