Impfpflicht: Was in anderen Ländern gilt

von Redaktion

München – Nicht nur in Deutschland wird viel über eine Corona-Impfpflicht diskutiert. In einigen Ländern wurde sie längst eingeführt – und teilweise wieder außer Kraft gesetzt. Die härtesten Regeln gelten in Ecuador in Südamerika – und im Vatikan. Ein Überblick.

Österreich

Österreich beschloss Anfang Februar als erstes EU-Land eine allgemeine Impfpflicht für Erwachsene – und legte sie am 12. März wieder auf Eis, bevor sie de facto in Kraft getreten war. Die Aussetzung gilt bis Ende Mai. Im Mai soll eine unabhängige Kommission prüfen, wie es mit der Impfpflicht weitergeht. Dieselbe Kommission hatte der Regierung eine Aussetzung nahegelegt, da wegen der milder verlaufenden Omikron-Variante eine sofortige Umsetzung der Impfpflicht zur Verhinderung einer Überlastung des Gesundheitssystems nicht erforderlich sei.

Italien

In Italien gilt seit Anfang des Jahres eine allgemeine Impfpflicht für über 50-Jährige. Schon zuvor gab es für bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte, medizinisches Personal, Beschäftigte an Schulen oder Polizei und Militär eine Impfpflicht. Die Ü50-Impfpflicht gilt offiziell bis zum 15. Juni, wird aber seit der Aufhebung des Corona-Notstandes Ende Mai nicht mehr konsequent umgesetzt. Ungeimpfte dürfen nun wieder zur Arbeit, müssen allerdings einen Negativtest vorlegen. Anders bei der Impfpflicht für Berufsgruppen, die vorerst bis Ende des Jahres gilt.

Frankreich

Frankreich hatte bereits Mitte September 2021 eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal, Rettungsdienste und Feuerwehr beschlossen. Betroffen waren rund 2,7 Millionen Menschen. Die meisten kamen der Pflicht nach. 15 000 bis 20 000 Beschäftigte, eine genaue Zahl gibt es nicht, weigerten sich und verloren in der Folge ihre Jobs. Für alle Ungeimpften galten bis Mitte März allerdings sehr strenge Regeln: Restaurants, Cafés, Kinos, Geschäfte (außer täglicher Bedarf) und sogar Verkehrsmittel waren ohne Impfpass für sie tabu. Inzwischen muss kein Impfpass mehr vorgelegt werden.

Spanien & Portugal

In Spanien ist eine Impfpflicht kein Thema. Mit einer Impfquote von 88 Prozent ist Spanien ohnehin ein Land der Impfer. Dazu haben auch die extrem harten Beschränkungen in der Hochphase der Pandemie beigetragen. Ähnliches gilt für Portugal. Impfquote: 95 Prozent. Beide Länder vertreten inzwischen einen endemischen Ansatz, sehen Corona also als normale Krankheit an, die örtlich begrenzt auftritt und sich nicht mehr pandemisch verbreitet.

Großbritannien

Die Regierung beschloss eine Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegeberufe, die am 1. April in Kraft treten sollte. Angesichts von Omikron nahm die Regierung die Entscheidung wieder zurück.

Griechenland

In Griechenland gilt seit Mitte Januar eine Impfpflicht für über 60-Jährige. Wer das nicht macht, muss 100 Euro Strafe zahlen – jeden Monat. Allerdings sollen die Bußgelder ab 15. April entfallen. Die Impfpflicht besteht dann nur noch auf dem Papier. Eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal gilt bereits seit Mitte vergangenen Jahres.

Schweden

Schweden geht seit Beginn der Pandemie sehr locker mit Corona um. Entsprechend gibt es auch keine Impfpflicht. Bereits im Februar hatte die Regierung stattdessen alle Corona-Beschränkungen im öffentlichen Leben aufgehoben – mit Ausnahmen im Gesundheits- und Pflegebereich.

Ecuador & Costa Rica

In Ecuador gilt die – abgesehen vom Vatikan – umfassendste Impfpflicht überhaupt. Alle Einwohner ab zwölf Jahren müssen sich impfen lassen. Der Widerstand war gering, da es in Ecuador keine ausgeprägte Impfskeptiker-Szene gibt. In Costa Rica gilt Corona als Pflichtimpfung für Kinder.

Vatikan

Sogar im Vatikan gilt eine Impfpflicht, und zwar für alle der rund 5000 Beschäftigten. Eine Impfung sei moralische Verpflichtung jedes Beschäftigten, begründete der Vatikan den Schritt.

WOLFGANG HAUSKRECHT

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