München – Wenn das eigene Kind sich verletzt oder krank wird, steigt bei den allermeisten Eltern automatisch der Adrenalinspiegel. „Als Vater von zwei Kindern weiß ich aus Erfahrung: Manchmal muss nur ein Tropfen Blut fließen, und die Knie werden weich“, gestand Markus Blume gestern Abend beim Festakt zum 175-jährigen Bestehen des Haunerschen Kinderspitals in der AllerheiligenHofkirche. „Da ist man froh, wenn man die beste medizinische Versorgung bekommt, gerade bei einer ernsthaften Erkrankung – und dankbar dafür, dass das Schicksal unserer Kleinsten in schwierigen Zeiten in den besten Händen ist.“ Im Hauner sei dies garantiert, sagte Blume und adelte das Traditionshaus am Goetheplatz als „Juwel der bayerischen Krankenhauslandschaft“.
Mit seiner emotionalen, von großem Respekt getragenen Rede sammelte der neue Wissenschaftsminister Pluspunkte bei vielen Münchner Spitzenmedizinern, darunter Augenklinikdirektor Prof. Siegfried Priglinger, der frühere LMU-Klinikchef Prof. Karl-Walter Jauch, Ex-Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch sowie Ehrengäste aus aller Welt.
Auch viele Mitarbeiter, die den Festakt per Videoübertragung verfolgten, durften sich geehrt fühlen. Ihr Erfolgsrezept aus Weltklasse-Medizin und Herzblut brachte Ex-Familienministerin Kerstin Schreyer auf den Punkt: „Im Hauner arbeiten die Mitarbeiter nicht nur mit höchster Fachlichkeit, sie gehen auch mit liebevoller Zuwendung auf ihre Patienten ein. Sie sehen den ganzen Menschen und nicht nur eine Summe von Diagnosen“, sagte Schreyer unserer Zeitung. Das ganze Klinik-Team war spürbar der große Star auf einer „ganz besonderen Geburtstagsfeier“, wie Minister Blume treffend beschrieb.
„Die Hilfe der Spezialisten ist nicht nur für die Kinder, sondern auch für ihre Eltern unersetzlich“, betonte Prinzessin Ursula von Bayern. „Das weiß jede Familie, die einmal in eine gesundheitliche Notsituation geraten ist.“
Dass die Unterstützung keine Ausnahme kennt, betonten die Hauner-Klinikchefs Prof. Christoph Klein (siehe Interview rechts) und Prof. Oliver Muensterer. „Jedes Kind, das im Hauner durch die Tür kommt, wird auf Weltklasse-Niveau versorgt – egal, ob es aus Grünwald oder aus Milbertshofen stammt, egal, ob es gesetzlich oder privat versichert ist“, erklärte Muensterer und erinnerte an die Idee des Armenarztes August Hauner, der das Kinderspital 1846 ins Leben rief (siehe Kasten). „Er wollte, dass jedes krankes Kind in ein Krankenhaus gehen kann.“
Hauners große Vision der Hilfe soll auch in Zukunft fortgeschrieben werden. 2030 wird das Spital nach Großhadern ans Uniklinikum umziehen – inklusive einer Schule für kranke Kinder. Hauner-Chef Klein nutzte die Gelegenheit, um Spenden zu werben. „Wir brauchen engagierte Unternehmen, wohlwollende Privatpersonen und großzügige Stifter, wenn wir weiter die beste Medizin machen wollen.“ ANDREAS BEEz