München – Jedes Jahr werden 6500 Kinder im Haunerschen Kinderspital behandelt. Und dank der Expertise der Uni-Spezialisten hat jedes von ihnen bessere Chancen, ein ganz normales Leben zu führen. Dafür kämpfen die 285 Mitarbeiter – mehr als die Hälfte davon Ärztinnen und Ärzte. Eine große Verantwortung, denn ist ein Kind krank, betrifft es immer auch die ganze Familie. Kinder können nicht alleine zum Arzt gehen, sich um ihre Behandlung kümmern, den Alltag organisieren. Das Haunersche Kinderspital verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Neben dem Kind ist immer die Familie willkommen. Dafür wird auch unter den Gegebenheiten der Covid-Pandemie alles Erdenkliche getan. Wir haben vier Kinder besucht, denen in der Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) gerade geholfen wird.
Marko leidet an einer Lungenentzündung
Es gibt bequemere Betten als die Pritsche neben dem Bett seines kleinen Sohnes Marko. Seit einer Woche schlafe er darauf, sagt Informatiker Nils Otto vor dem gentschen Felde. „Aber ansonsten sind wir hier bestens aufgehoben. Das Personal ist fantastisch, hilfsbereit und immer zur Stelle, wenn wir jemanden brauchen, trotz Personalmangels“, lobt der 42-Jährige aus Laim. In die Haunersche Klinik kam der 17 Monate alte Marko, weil sich auf Röntgenbildern ein Schatten in seiner Lunge zeigt. „Dort befindet sich ein großes Infiltrat, das wir hier mit hoch dosierten Antibiotika bekämpfen“, erklärt Kinderarzt Tobias Prell. Da dafür ein Zugang im Fuß gelegt werden musste und weil die Medikamente sehr hoch dosiert sind, müssen Marko und Papa Nils voraussichtlich zwei Wochen in der Klinik bleiben.
Sophia hat einen Tumor im Unterleib
Viele kleine Patienten der Klinik haben einen sehr langen Weg vor sich. Etwa Sophia: Der aufgeweckten Zweieinhalbjährigen ist es nicht anzusehen, dass sie in ihrem kurzen Leben bereits 31 Mal stationär im Krankenhaus behandelt wurde. Sophia lebt mit ihren Eltern und den zwei Geschwistern eigentlich im Raum Mainz. Aber seit Prof. Oliver Muensterer von Mainz nach München wechselte und dort die Leitung der Kinderchirurgie übernahm, ist auch Sophia mit ihren Eltern regelmäßig in München.
Die Kleine kam im Oktober 2019 mit einem großen Tumor am Steißbein zur Welt, zudem leidet sie an verschiedenen Fehlbildungen im Unterleib. Ein komplizierter Fall: „Wir gehen einen sehr kleinschrittigen Weg in Richtung Heilung und sind sehr dankbar, dass Prof. Muensterer sein ganzes Herz und sein ganzes Wissen hineinsteckt, um unserer Tochter hoffentlich irgendwann ein ganz normales Leben zu ermöglichen“, sagt Mutter Sabine Müller. Dass Sophia lebt, hat sie der modernen Medizin zu verdanken. Sie kam acht Wochen zu früh auf die Welt. Drei Tage vor dem Notkaiserschnitt entdeckten die Ärzte, dass etwas nicht stimmt: „Es war kein Fruchtwasser mehr vorhanden, die Herzfrequenz war beängstigend niedrig und auf dem Ultraschallbild zeigte sich ein großer Tumor am Steißbein“, erzählt Mutter Sabine. „Ich befand mich im totalen Schockzustand und bin sehr froh, dass sich die Ärzte viel Zeit für uns als Familie nehmen und jeden Behandlungsschritt ausführlich mit uns besprechen.“ Diese wohlwollende Offenheit spüre auch Sophia, die große Fortschritte in Richtung Gesundheit macht – auch wenn ihr noch viele komplizierte Operationen bevorstehen.
Lucas brauchte eine Herz-Lungen-Maschine
Lucas Köllner ist erst zehn Wochen alt. Auch er hat noch viel vor sich, damit er irgendwann vielleicht ganz normal auf einem Spielplatz herumtollen kann. Lucas wurde mit einer Zwerchfellhernie, einem großen Loch in der Muskelplatte zwischen Brustkorb und Bauch, geboren. Das Loch, sagt Prof. Muensterer, konnten die Ärzte schließen. Auch die Herz-Lungen-Maschine, die das Blut mit Sauerstoff anreichert, braucht Lucas nicht mehr. „Jetzt hoffen wir, dass die unterentwickelte Lunge wächst und er irgendwann gesund wird“, sagt Mama Ina (31).
Alicja überlebte knapp eine Corona-Infektion
Mit dem Hubschrauber wurde Alicja Dusza kurz nach Ostern von Hamm aus nach München ins Haunersche Kinderspital geflogen. Bei der Einjährigen bestand wegen einer Corona-Infektion Lebensgefahr. „Ich hatte mich angesteckt, trotz Impfung. Und dann auch meine Frau und unsere zwei Kinder. Ich bin den Spezialisten hier in München unglaublich dankbar, dass sie meine kleine Tochter gerettet haben“, sagt Vater Edvardas (31). Der Logistiker bekommt Tränen in die Augen, wenn er daran denkt. Daran, wie knapp es war – und auch an die viele Unterstützung. So gab ihm sein Chef frei bei vollem Lohn. „Er sagte, die Gesundheit der Familie ist das Allerwichtigste im Leben, und das stimmt“, erzählt Papa Edvardas. Er selbst war durch die Corona-Infektion „richtig platt. Ich hatte Fieber und Schüttelfrost, aber dass es meine Tochter so schwer treffen würde, hat mich geschockt“. Um so froher ist er, dass sie nun von der Intensivstation auf die normale Station verlegt werden konnte.