Gähnende Leere in den Impfstellen

von Redaktion

München fährt Kapazitäten wegen der sinkenden Nachfrage zurück – Vor allem Erstimpfungen gibt es kaum noch

München – Die Zeiten, in denen Impfwillige anstehen mussten, sind vorbei. Der Vorplatz des Impfzentrums im Münchner Kulturzentrum Gasteig ist am Mittwoch menschenleer. Zwei weibliche Securitys halten trotzdem die Stellung. „Seit die Beschränkungen gefallen sind, kommt keiner mehr“, sagt einer.

Die Impflust, sie hat nachgelassen. Vergangene Woche haben sich in München noch 1250 Menschen gegen Corona immunisieren lassen. Lediglich 146 Menschen holten sich den ersten Pieks ab, 434 bereits die zweite Auffrischimpfung. So auch eine Lehrerin, die aus der Impfstelle am Marienplatz tritt. Als Pädagogin sei sie in der Verantwortung, sich und ihr Umfeld zu schützen, sagt sie. Über die Leere in der Impfstelle schüttelt sie den Kopf. „Die Leute sollen impfen kommen!“

75,8 Prozent der Deutschen sind inzwischen gegen Corona grundimmunisiert, also zweifach geimpft (Grafik). In München sind es nur 71,2 Prozent. Kein wirklich guter Wert. Weil sich immer weniger Menschen den Pieks holen, fährt die Stadt ihre Kapazitäten in den Impfzentren zurück. Die Einrichtungen auf dem Messegelände in Riem, auf der Theresienwiese und in Pasing haben im April geschlossen. In München sind aktuell noch das Impfzentrum Gasteig und seine Außenstellen am Marienplatz und im Olympia-Einkaufszentrum geöffnet. „Wie lange, das steht in den Sternen“, sagt eine der Securitys am Gasteig. Als Alternativen stehen die Impftram, niedergelassene Ärzte oder Apotheken zur Verfügung. „Es ist so einfach, sich impfen zu lassen“, sagt die Lehrerin.

Auch die Impfhotline hat ihren Betrieb angepasst. Anstatt täglich ist sie nur noch von Montag bis Freitag erreichbar. Beraten lassen kann man sich auch in den Impfzentren. Claudia M. (Name geändert) ist heute genau dafür zum Marienplatz gekommen. Das Gesundheitsamt hat das der ungeimpften Krankenschwester nahegelegt. Seit 16. März gilt die einrichtungsbezogene Impfpflicht für den Pflegebereich und Claudia M. droht Ungemach. „Ich könnte nach 14 Jahren meinen Job in der Klinik verlieren. Also habe ich mich bereits im Dezember vorsorglich arbeitssuchend gemeldet“, sagt sie. Viel geholfen hat die Beratung nicht. Das Gespräch sei sehr freundlich, der Arzt sehr nett gewesen, sagt die Krankenschwester. Überzeugt ist sie aber immer noch nicht. „Wir sehen, das Virus verbreitet sich trotz Impfung weiter.“

An Impfstoff mangelt es zur Zeit nicht. Es seien ausreichend Dosen vorhanden, bestätigen das Bayerische Gesundheitsministerium und auch das Gesundheitsreferat der Stadt. Allerdings: „Die Impfzentren sind angewiesen, wegen der geringen Nachfrage weniger Stoff zu bestellen“, sagt ein Sprecher des Münchner Gesundheitsreferats. Überschüssige Dosen werden an andere Einrichtungen abgetreten oder gehen an den Bund zurück. Dort liegt auch die Zuständigkeit für eine eventuelle Weitergabe an Drittländer.

Ein junges Paar steuert händchenhaltend auf das Impfzentrum am Gasteig zu. „Wir möchten uns jetzt impfen lassen“, erklären sie fröhlich. Der Sicherheitsdienst freut sich über die seltene Kundschaft. Dass sie bald wieder mehr zu tun haben, bezweifeln die Frauen. „Außer, aber das hoffen wir natürlich nicht, wir bekommen im Herbst eine nächste Welle.“

KATHARINA BRUMBAUER

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