„Wir sind alle müde von der Pandemie“

von Redaktion

3 FRAGEN AN

Die Münchner Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek erklärt, warum die Omikron-Welle zu einer sinkenden Impfbereitschaft geführt hat und warum sie das Coronavirus trotz der umfassenden Lockerungen weiterhin ernst nimmt.

Frau Zurek, wenn man sich derzeit in den Impfzentren umsieht, herrscht dort gähnende Leere. Warum hat die Impfbereitschaft inzwischen so stark nachgelassen?

Ich denke, das hat unterschiedliche Ursachen. Neben persönlichen Gründen, aus denen sich die Menschen nicht impfen lassen, haben die vielen Lockerungen die Corona-Vorsorge in den Hintergrund treten lassen. Die letzte Corona-Variante, Omikron, ist glücklicherweise milder verlaufen. Das hat aber auch, glaube ich, viele Menschen in eine falsche Sicherheit gebracht. So nach dem Motto, wenn Corona nur so mild verläuft, brauche ich mich nicht impfen lassen.

Sie nehmen Corona also nach wie vor nicht auf die leichte Schulter – auch wenn die Fallzahlen in den Kliniken doch stark gesunken sind?

Ich weiß, wir sind alle müde nach zwei Jahren Pandemie. Ich habe volles Verständnis für junge Menschen, die jetzt wieder feiern gehen wollen, ich möchte keine Überregulierung. Aber wir brauchen weiter Schutzinstrumente – und eines davon ist die Impfung. Ich finde es gut, dass eine einrichtungsbezogene Impfpflicht auf den Weg gebracht wurde. Die ist natürlich nicht sehr beliebt. Aber die Angestellten im Pflegebereich arbeiten mit einer vulnerablen Personengruppe. Der Schutz der Menschen steht für uns als Gesundheitsbehörde an erster Stelle. Ich würde es auch begrüßen, wenn wir eine allgemeine Impfpflicht hätten. Es gilt weiterhin, mit Aufrufen so viele Menschen wie möglich zum Impfen zu bringen. Die Angebote der Impfzentren, der Hausärzte und der Apotheken ergänzen sich da sehr gut.

Noch eine private Frage: Gehen Sie persönlich nach den Lockerungen auch selber wieder mehr unter Leute?

Abgesehen davon, dass ich die ganze Zeit über mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren bin, gehe ich wieder essen. Im Innenraum trage ich aber weiter Maske, auch wenn das keine Pflicht mehr ist. Wobei meine Familie die ganze Situation genauso wenig auf die leichte Schulter nimmt wie ich. Allerdings komme ich nicht oft dazu, wieder am sozialen Leben in der Stadt teilzunehmen. Es gibt im Referat immer noch sehr viel zu tun. Da ist es schön, abends einach zu Hause zu bleiben.

Interview: Katharina Brumbauer

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