Kämpfer für das Recht auf Wohnung

von Redaktion

München – Welch elementare Bedeutung eine Wohnung für den Menschen hat, erfuhr Gerhard Polt schon als Bub. Die Oma, ausgebombt, war in einem Zimmerl untergebracht, später erlebte Polt die erste Welle dessen mit, was heute Gentrifizierung heißt: Luxussanierungen, Entmietung, Vertreibung alteingesessener Münchner. Diese Szenen schildert er in seinem 1976 erschienenen Hörspiel „Als wenn man ein Dachs wär‘ in seinem Bau“. Dutzende Protagonisten von der Hausfrau bis zum sarkastischen Mieter spricht er darin selbst. Seither zieht sich das Thema durch sein Werk – mit Sätzen, die unter die Haut gehen. Etwa wenn ein Vermieter dem langjährigen Mieter versichert: „Von mir aus können Sie da in Ruhe raussterben. Aber doch nicht auf meine Kosten!“

Wenn Menschen, die sich über Jahrzehnte eine Existenz aufgebaut haben, plötzlich ihre Wohnung verlieren und zum Prekariat gehören, das sei „fast unerträglich“, sagt Polt ernst. Umso mehr, als die Sorge um die Wohnung gerade in München wie ein Damoklesschwert über den Menschen hänge.

Gerhard Polt ist in den fünf Jahrzehnten, in denen er beruflich Menschen beobachtet, zum Philosophen geworden. Mag sein, dass er hier und da nicht mehr so radikal ist wie in jungen Jahren. Doch seine Überzeugungen sind die gleichen geblieben. Das lässt ihn nicht ruhen, gegen Missstände anzugehen. Auf der Bühne – das nächste Programm ist schon in Vorbereitung – und als Privatmensch. So etwa in der Organisation „Goldgrund“, die mit ihren Protestaktionen bewirkte, dass Häuser an der Pilotystraße und der Müllerstraße nicht abgerissen, sondern saniert wurden.

Ein Traumtänzer war Gerhard Polt nie. „Ich weiß auch, dass das alles nicht ganz so einfach ist“, sagt er. Aber in seinem Koordinatensystem steht der Mensch im Mittelpunkt. Und deshalb steht für ihn außer Frage: „Leute, die länger in einer Wohnung gelebt haben, müssen einen gewissen Schutz haben.“ PETER T. SCHMIDT

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