Die neue Höhle der Löwen

von Redaktion

VON PETER T. SCHMIDT

München – In 18 Monaten Bauzeit ist auf dem Gelände der ehemaligen Braunbärenanlage im Münchner Tierpark Hellabrunn eine 2400 Quadratmeter große Savanne entstanden. Da gibt es Aussichtshügel mit beheizten Ruheplätzen, mächtige Baumstämme zum Klettern und sogar einen Bachlauf mit kleinem Wasserfall und flachen Uferzonen – ideal für die Löwenbrüder, denn, so Hellabrunns zoologischer Leiter Carsten Zehrer: „Die beiden sind ganz Löwen-untypisch wasserverliebt. In der Dschungelwelt sind die auch mal mitten im Dezember draußen baden gegangen.“

Am Freitag freilich hatten sie trotz Kaiserwetters dazu keine Lust. Nur kurz tauchten die imposanten Großkatzen in den Luken zum Freigelände auf. Sie sahen die wartenden Menschen – und verschwanden wieder. „Die Löwen bestimmen das Tempo“, beschreibt Zehrer die Eingewöhnungsphase seit dem Umzug vor zwei Wochen. Und sie lassen sich Zeit, haben die Außenanlage bisher noch nicht ganz erkundet.

Zu entdecken gibt es da sehr viel. Nicht zuletzt die Seile, an denen Futter aufgehängt werden kann, das die Raubtiere dann erbeuten müssen. „Wir können zur Beschäftigung auch Jutesäcke dranhängen, die wir mit Antilopenkot oder Stroh und Gewürzen füllen“, sagt Zehrer. Denn Gerüche, so wissen die Pfleger, aktivieren die Raubtiere und beugen Langeweile vor.

Im komplett neu gebauten Haus haben die Löwen nicht nur den Luxus einer Fußbodenheizung, sondern auch Rückzugsmöglichkeiten. Eine moderne Schließanlage verhindert Unfälle, und in einem Anbau soll künftig das tägliche Medizintraining stattfinden. Das, so Zehrer, ist Teil des Beschäftigungsprogramms, hilft aber auch den Tierärzten. „Wir können die Löwen an einem Gitter so weit bringen, dass man ihnen sogar Spritzen geben und Blut abnehmen kann, ohne sie mit dem Blasrohr in Narkose legen zu müssen.“ Das ist umso wichtiger, als der Check während des Umzugs gezeigt hat, dass die elfjährigen Brüder nicht mehr kerngesund sind. Max, 195 Kilogramm schwer mit kräftiger Mähne, hat Herzprobleme, sein 15 Kilo schwererer Bruder Benny ist nierenkrank. Beide werden nun entsprechend behandelt.

Die Bauarbeiten mitten in den Wirren der Pandemie seien „ein Husarenritt“ gewesen, erinnerte sich Tierparkchef Rasem Baban. Mit „moderat“ auf 4,3 Millionen Euro gestiegenen Kosten sei das Projekt dank der Unterstützung durch Landeshauptstadt und Stadtsparkasse dennoch termingerecht fertiggestellt worden.

Wichtig ist Baban, dass die Besucher nicht nur Löwen sehen können. Plakate und interaktive Bildschirme zeigen auch, was die Großkatzen so besonders macht, warum sie im Bestand gefährdet sind und was dagegen getan wird.

Bei den geladenen Gästen kam das gut an. „Es ist schön geworden“, lobte der ehemalige Hellabrunner Zoochef Andreas Knieriem, in dessen Münchner Amtszeit der Gundsatzbeschluss für das Löwengehege gefasst worden ist. Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) sprach „völlig überwältigt“ von einem „besonderen Tag für Hellabrunn“. Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) lobte, dass man bei der Gestaltung der Anlage mit tief platzierten Guckfenstern auch an die Kinder gedacht habe, und CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl, ein Hellabrunn-Fan seit dem Kindesalter, bescheinigte der von Kunststeinwänden eingefassten Anlage: „Sie schaut aus, als wäre sie schon immer hier gewesen.“ Die Anlage sei dafür konzipiert, hier ein Rudel aufzubauen und Löwen zu züchten, sagt Baban. Doch mit den betagten Brüdern Max und Benny sei das „nicht geplant und nicht sinnvoll“. Sie sollten so lange wie möglich „ein glückliches Leben als Best-Ager“ führen. Auf Löwenbabys werden die Besucher Hellabrunns also noch eine Weile warten müssen.

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