München – Das 9-Euro-Ticket ist entspannt angelaufen. „Wir haben bundesweit einen sehr ruhigen Betriebsstart gehabt bei der Bahn im Nahverkehr“, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. Auch viele regionale Verkehrsbetriebe vermeldeten einen geregelten Ablauf. Am Pfingstwochenende aber wird es voraussichtlich eng in Bayerns Regionalzügen und Bussen.
Am ersten Wochenende, an dem die Bürger das 9-Euro-Ticket nutzen können, rechnen die Verkehrsunternehmen mit weit mehr Fahrgästen als üblich. Die Bayerische Regiobahn, die in Oberbayern unter anderem die bei Ausflüglern beliebten Strecken zum Tegernsee und zum Schliersee betreibt, appelliert, nicht zu Spitzenzeiten zu fahren, auf großes Gepäck zu verzichten und auch keine Fahrräder mitzunehmen. „Wir meinen das ernst, weil wir mit einem Ansturm rechnen“, sagte eine Sprecherin. Auch der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) erwartet viel Betrieb. Allerdings sei man zu diesen Zeiten schon bislang gut ausgelastet gewesen, sagte eine Sprecherin. Zum Gebiet des MVV gehören unter anderem die Münchner S-Bahnen nach Starnberg und Herrsching am Ammersee, die schon an gewöhnlichen sonnigen Wochenenden oft sehr voll sind.
Die DB Regio klärt ihre Fahrgäste auf ihrer Webseite über mögliche „zusätzlich erhöhte Auslastung“ an den Wochenenden auf. Das betrifft die Werdenfelsbahn Richtung Garmisch-Partenkirchen ebenso wie das Allgäu und regionale Expresszüge von München nach Nürnberg. An Wochenenden und Feiertagen soll an stark frequentierten Bahnhöfen Personal für ein schnelles Ein- und Aussteigen sorgen, zudem fahren zusätzliche Züge.
Laut Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) wurden bundesweit bereits sieben Millionen 9-Euro-Tickets verkauft. Berlin vermeldete 635 000 Verkäufe, Hamburg 335 000. Für den Münchner Verkehrsverbund fehlen noch verlässliche Zahlen. Man habe im MVV im Vorverkauf 255 000 Tickets abgesetzt, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Nicht enthalten seien darin die Automaten der S-Bahn, weshalb die Zahl viel höher liegen dürfte.
Bei den meisten Bürgern kommt das Ticket, das es von Juni bis August geben soll, gut an. „Ich hab schon eines“, erzählte etwa Andrea Altfalter aus Freising auf dem Bahnsteig Richtung München. Die 27-Jährige muss beruflich fast täglich nach München, wofür sie bis dato rund 170 Euro im Monat berappen musste. „Das wäre super, wenn das 9-Euro-Ticket bleiben würde“, sagte Altfalter. Den vergünstigten Tarif möchte die 27-Jährige auch neben dem Job nutzen: „Wir haben schon eine Fahrradtour zur Nordsee geplant!“ Das Ticket treffe „den Nerv der Zeit“, findet auch Bahn-Sprecher Achim Stauß.
Das 9-Euro-Ticket gehört zum Entlastungspaket der Regierung, ebenso wie der Tankrabatt. An der Maßnahme für den Nahverkehr gab es auch Kritik, unter anderem aus den Ländern. Diese fürchten, dass die zur Verfügung gestellten Mittel des Bundes die Kosten für die Verkehrsbetriebe und Städte nicht decken. Wissing sagte, langfristig seien beim ÖPNV Strukturveränderungen nötig. Mit der Frage, was dauerhaft besser werden müsse, werde sich eine Arbeitsgruppe gemeinsam mit den Ländern im Herbst befassen. Dort sollten dann auch die Erkenntnisse aus dem 9-Euro-Ticket mit einfließen.
Wichtig: Nicht auf allen Bahnlinien gilt das 9-Euro-Ticket. Ein Beispiel ist die Westbahn, die von München nach Wien fährt. Eine Mitfahrt sei weder mit einem Ticket der Deutschen Bahn noch mit dem 9-Euro-Ticket möglich, teilte die Westbahn mit. Weitere Informationen zum 9-Euro-Ticket findet man unter www.bahn.de/angebot/regio/9-euro-ticket. wha