„In dem Interview von Angela Merkel ist kein Hauch Selbstkritik zu spüren gewesen. Die Äußerungen der Ex-Kanzlerin über die Unfehlbarkeit ihres Russland-Kurses und ihres viel zu nachsichtigen Umgangs mit Diktator Putin sind befremdlich. Ohne eine ehrliche, vollumfassende Aufarbeitung der Russland-Politik Deutschlands ist es gar nicht möglich, richtige Schlüsse für das künftige Verhältnis zu Moskau zu ziehen und seine Aggression zu stoppen. Denn, wenn das alles so blendend gelaufen sein soll und gar keine Fehler begangen wurden, dann ist die Frage, wieso wir seit 105 Tagen mit diesem Angriffskrieg zu tun haben. Da gibt es immer noch viele offene Fragen. Ich hoffe, dass die Kanzlerin und auch die deutsche Politik insgesamt die Möglichkeit finden, darauf ehrliche Antworten zu geben.“
Andrij Melnyk
Ukrainischer Botschafter
„Angela Merkel hat sich nie einer Illusion darüber hingegeben wer oder wie Wladimir Putin ist. Anders als ihr Vorgänger Gerhard Schröder, der sich sogar diesem System verkauft hat. Aber ich finde eben auch wichtig – mit den Entwicklungen in den letzten Monaten –, dass wir alles noch einmal überprüfen. Wo lagen wir richtig, wo lagen wir falsch und was würde man aus heutiger Sicht anders machen. Ich glaube, das ist der Punkt: Mit dem Wissen von heute würde man sicherlich manche Entscheidungen in den letzten Jahren anders getroffen haben.“
Jens Spahn (CDU)
stellv. Unionsfraktionschef
„Dieser Krieg und seine Folgen werden die Erinnerung an Angela Merkel verändern und manche Geschichtsschreibung schreddern. Allen voran das Thema Nord Stream 2. Merkel hat die Pipeline gefördert. Es war und ist ein Hohn zu sagen, das sei ein rein wirtschaftliches Projekt ohne geostrategische Bedeutung. Ich finde es schwach, dass Angela Merkel jetzt nicht selbstreflektiert sagt: Ja, wir hätten damals einiges anders entscheiden sollen.“
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP)
Bundestagsabgeordnete
„Wenn Kanzlerin Merkel immer wusste, dass Russland einen Krieg startet und Putins Ziel es ist, die EU zu zerstören, warum wollte man Nord Stream 2 bauen? ,Ich war nicht naiv‘ – sagte die Kanzlerin. Warum hast du die EU dann an die russische Öl/Gas-Nadel gehängt? Und warum muss Deutschland diese Fehler jetzt ausbaden?“
Mykhailo Podolyak
Berater des Büros von Ukraines Präsident Selenskyj
„Merkels erster Auftritt nach ihrem Rückzug – zweifellos die beste Unterhaltung, die es heute Abend im TV gibt. Zu schreiben ,großes Kino‘ wäre zu wenig! Fernab aller Sachfragen: Was für eine Politikerin, was für ein Humor, was für ein Mensch!“
Fabian Mehring (FW)
Landtagsabgeordneter
„In Sachen Merkel-Nostalgie bleibe ich wohl weiter enthaltsam…“
Alexander Schweitzer (SPD)
Arbeitsminister Rheinland-Pfalz