Elmau – Der G7-Gipfel stand weitgehend im Zeichen des Ukraine-Kriegs. Bahnbrechende neue Klimaschutz-Beschlüsse fasste der Gipfel nicht. Aktivisten sind enttäuscht – sehen aber auch ein paar Hoffnungsschimmer.
. Der Klimaclub
Bis Jahresende soll der Club stehen, weitere Mitstreiter abseits der G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, den USA und Großbritannien sind willkommen. Der Club soll Impulse setzen für den internationalen Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Klimafreundlichkeit. Aus der deutschen Wirtschaft kam Unterstützung. „Klimapolitik, die gleichzeitig Wachstums- und Wohlstandsmotor ist, kann so weltweit gemeinsam weiterentwickelt werden. Das muss unser Ziel sein“, sagte etwa die Präsidentin des Verbands der Deutschen Automobilindustrie, Hildegard Müller. Klimaschützer hingegen sehen in dem Club angesichts der fortschreitenden Erderhitzung nicht den erhofften großen Wurf.
. Energiepartnerschaften
Ärmeren Ländern wollen die G7 mit Expertise und Geld beim Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft helfen. Vorbild ist Südafrika, das von Deutschland und anderen Ländern Geld erhält, um den Einsatz sauberer Technologien zu fördern – einschließlich grünem Wasserstoff. Verhandlungen sollen nun mit Indonesien, Indien, dem Senegal und Vietnam vorangetrieben werden.
Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der gemeinnützigen Umweltorganisation „Germanwatch“, hält den Startschuss für Verhandlungen mit Indien für „das wahrscheinlich wichtigste Ergebnis für den Klimaschutz“ in Elmau. Das Land habe das ehrgeizige Ziel, dass bis 2030 die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen soll. „Wenn es durch diese Kooperation gelingt, das gemeinsam umzusetzen, dann wird das den globalen Emissionstrend deutlich verändern.“ Charlotte Becker von Oxfam Deutschland sieht in solchen Partnerschaften für die beteiligten Länder mehr Verlässlichkeit bei der notwendigen Unterstützung.
. Klimaziele Die G7-Staaten bekräftigen ihr Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen von 2015, das die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad, besser noch auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzen will. Der Straßenverkehrssektor soll dazu bis 2030 stark dekarbonisiert sein, also deutlich weniger Treibhausgase ausstoßen. Hinzu kommt: Der internationale Luft- und Schiffsverkehr soll spätestens im Jahr 2050 nicht mehr Treibhausgas ausstoßen, als auch wieder gebunden werden kann. „Das setzt insbesondere die USA und Japan, die international bei der Umsetzung bremsen, unter Druck“, meint Bals von Germanwatch. Das von vielen Klimaschützern geforderte Zieldatum für den Kohleausstieg blieb hingegen aus.
. 100 Milliarden für besonders betroffene Staaten
Industriestaaten wollen besonders vom Klimawandel betroffene Staaten jährlich mit 100 Milliarden US-Dollar unterstützen. Die G7 haben bekräftigt, dies spätestens 2025 erreichen zu wollen und noch vor der nächsten Klimakonferenz im November Details vorzulegen, wie das möglichst ab dem kommenden Jahr klappen soll. Germanwatch lobt, dass die Regierungschefs der G7 erstmals anerkennen, dass die Schäden und Verluste der vom Klimawandel besonders betroffenen Staaten bewältigt werden müssen. . Fossile Energien
Wegen des Ukraine-Kriegs muss Ersatz her für russische Energien. Deshalb sollen im Ausnahmefall auch neue staatliche Investitionen in fossile Projekte in anderen Ländern möglich sein – auch wenn die G7 diese bis zum Jahresende eigentlich beenden wollen. Diese Ausnahmen sollen im Einklang stehen mit dem Pariser Klimaabkommen und dem Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dabei könne auch Flüssiggas (LNG) eine wichtige Rolle spielen, heißt es in der Abschlusserklärung. Umweltschützer befürchten einen Wettlauf um LNG-Exporte, neue Gasförderung und öffentliche Gelder, insbesondere in Afrika. dpa