GIPFEL IN KÜRZE

Polizei zufrieden, Gastronomie fühlt sich vernachlässigt Boris Johnson beim Frühsport im Ferchensee

von Redaktion

Für die Polizei war der Gipfel viel Arbeit. Rund 18 000 Kräfte waren im Einsatz – und brauchten Verpflegung. Allein 383 164 Getränkeflaschen, 826 Kilogramm Kaffee, 107 110 Portionen Butter, 32 270 Stück Kuchen, 10 447 Kilo Obst und 80 294 Schokoriegel habe das Versorgungsteam ausgegeben, twitterte die bayerische Bundespolizei.

Wie Landespolizeipräsident Michael Schwald mitteilte, gab es im Zusammenhang mit dem G7-Gipfel 37 Festnahmen, 1400 Identitätsfeststellungen und elf Ingewahrsamnahmen. Die extra aufgebaute Gefangenensammelstelle für bis zu 150 Menschen in 50 Containern stand jedoch weitgehend leer. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sind alle Festgenommenen wieder auf freiem Fuß.

Für die Hoteliers und Gastronomen in Garmisch-Partenkirchen war der G7-Gipfel wohl nur teilweise ein Erfolg. „Man muss noch auswerten, wie groß der Schaden war im Vergleich zum Nutzen“, sagte der Ortsvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Garmisch-Partenkirchen, Daniel Schimmer. Zwar seien die Unterkünfte unter anderem mit Polizisten und Pressevertretern ausgebucht gewesen. Doch dies wäre dank des Tourismus wohl auch ohne Gipfel der Fall gewesen. Für die Gastronomie habe es nicht so gut ausgesehen: Anstatt riesige Catering-Zelte mit teils auswärtigen Anbietern aufzustellen, hätte die einheimische Gastronomie genutzt werden können.  dpa

Wohl kein Ort in Deutschland war am Wochenende so gut abgeschirmt wie Schloss Elmau. Aber die Politiker und auch deren Ehefrauen sind trotzdem das ein oder andere Mal ausgebüxt. So nutzte der britische Premierminister Boris Johnson den frühen Morgen für ein paar Züge durch den nahen Ferchensee. Am Montag und am Dienstag sei er da gewesen, bestätigte Wirtin Martina Knilling-Zunterer vom Gasthof Ferchensee. Johnson war freilich nicht ohne Sicherheitskräfte unterwegs und durfte die Privatbadewiese des Gasthofs nutzen. Vielleicht hat Johnson einen Tipp von David Cameron bekommen. Cameron, bis 2016 britischer Premierminister, watete bereits beim G7-Gipfel im Jahr 2015 durch den kalten See. Auch die First Ladys waren heuer da. Sie kehrten mit Ski-Legende Christian Neureuther und dessen Schwiegertochter Miriam Gössner bei Knilling-Zunterer ein. Der Biergarten, sagt die Wirtin, sei in der Zeit kein Sperrbezirk gewesen. Manch einer habe sein Handy gezückt. Eine Bedienung habe ein Foto von der französischen Präsidentengattin Brigitte Macron machen dürfen. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz nutzte den Ferchensee, wenn auch nur als Ziel für eine Joggingrunde. Martina Knilling-Zunterer will mit den prominenten Gästen nicht prahlen. „Wir bilden uns darauf gar nicht sein“, betonte sie gegenüber unserer Zeitung. Aber der Ferchensee ist halt zu schön, um ihn nicht zu besuchen.  csc

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