Eröffnet Trump das Rennen ums Weiße Haus?

von Redaktion

Ex-Präsident verspricht „große Ankündigung“ für heute – der Erfolg seines Parteirivalen Ron DeSantis setzt ihn unter Zugzwang

Palm Beach – Zuletzt lief es nicht wirklich gut für Donald Trump. Viele Republikaner machen den früheren US-Präsidenten für das insgesamt enttäuschende Abschneiden der Partei bei den Midterms der vergangenen Woche verantwortlich. Und mit Floridas Gouverneur Ron DeSantis fuhr ausgerechnet jener Mann einen triumphalen Wahlsieg ein, der Trump die nächste Präsidentschaftskandidatur der Konservativen streitig machen könnte. Doch für Selbstzweifel ist Trump nie bekannt gewesen. Jetzt könnte der Rechtspopulist vorpreschen und eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2024 verkünden.

Für Dienstagabend Ortszeit (3 Uhr nachts unserer Zeit) hat Trump eine „sehr große Ankündigung“ in seinem Luxusanwesen Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida, in Aussicht gestellt. Alles andere als die Bekanntgabe einer Präsidentschaftskandidatur wäre eine Überraschung. Auch wenn Berater dem 76-Jährigen nach den Kongress-Zwischenwahlen geraten haben sollen, noch etwas zu warten.

Ohnehin ist es viel zu früh, Trump abzuschreiben. Der Immobilienmogul hat es immer wieder geschafft, scheinbar ausweglose Krisen zu überstehen – im Wahlkampf 2016, während seiner vier von Skandalen und Affären geprägten Jahre im Weißen Haus und nach der Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar 2021.

Trotz allem genießt Trump bei großen Teilen der konservativen Basis große Beliebtheit mit teils fanatischen Auswüchsen. Aber womöglich haben die Halbzeitwahlen vom vergangenen Dienstag wirklich eine Entwicklung eingeleitet, in der die Republikaner sich von Trump lossagen. So setzten sich vor allem republikanische Kandidaten durch, die Trump eher kritisch gegenüberstehen, während mehrere von Trump geförderte Politiker bei den Wählern durchfielen. „Man kann ein Konservativer sein, man kann prinzipientreu sein, man kann sich Trump widersetzen – und gewinnen“ – das ist die Lehre der Zwischenwahlen für den Politikexperten Peter Loge von der George-Washington-Universität. Trump jedenfalls hatte am Morgen nach den Wahlen schnell diverse Sündenböcke parat. Laut „New York Times“ warf er sogar seiner Frau Melania vor, ihm zur Unterstützung der falschen Kandidaten geraten zu haben.

Zahlreiche Konservative, die das Kapitel Trump beenden wollen, setzen nun auf DeSantis, der ebenfalls ein rechter Hardliner ist, den viele aber für politisch cleverer halten als den Ex-Präsidenten – für einen „Trump mit Hirn“. Trump hat mit einer Reihe von Attacken gegen den Gouverneur deutlich gemacht, wie sehr er den 44-Jährigen als Bedrohung wahrnimmt. Wie für jeden ernst zu nehmenden politischen Gegner hat er schon einen despektierlichen Spitznamen parat: Als „Ron DeSanctimonious“ – etwa Ron der Scheinheilige – verspottet er DeSantis und wirft ihm fehlende Loyalität vor, nachdem er ihm 2018 mit zum Sieg bei den Gouverneurswahlen verholfen hatte.

Mit einem Start ins Präsidentschaftsrennen ganze zwei Jahre vor den Wahlen könnte Trump jetzt versuchen, andere potenzielle Kandidaten wie DeSantis und Ex-Vizepräsident Mike Pence auszubremsen. So werden sich am Dienstagabend in den USA wieder alle Blicke nach Mar-a-Lago richten. Trump schwärmt heute noch davon, wie er 2015 in seinem Trump Tower in Manhattan mit Ehefrau Melania eine goldene Rolltreppe herunterfuhr, um seine erste Präsidentschaftsbewerbung zu verkünden. Viele fragen sich, welche Show er sich für dieses Mal ausgedacht hat. afp/dg

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