Die Innenministerin und die ungeklärte Imam-Frage

von Redaktion

München – Mehr „Imame made in Germany“ – das fordern deutsche Innenminister seit Jahren. Nancy Faeser ist da keine Ausnahme. Zu Beginn der „Deutschen Islam Konferenz“ Mitte vergangener Woche sagte die SPD-Politikerin, sie wolle die „staatliche Entsendung von Imamen nach Deutschland schrittweise reduzieren mit dem Ziel, sie zu beenden“. Gemessen am Fortschritt der letzten Jahre ist das wohl eher ein Fernziel.

Das Problem ist lange bekannt und gut beschrieben: In deutschen Moscheen predigen vorwiegend konservative Imame aus dem Ausland und das in aller Regel nicht auf Deutsch, sondern auf Türkisch, Arabisch oder anderen Sprachen. Experten sehen darin eine Ursache für Integrationsprobleme oder Schlimmeres. Was genau in Moscheen gepredigt und vorgelebt wird, bleibt oft im Dunkeln.

Würden mehr Imame in Deutschland ausgebildet, so die Hoffnung, könnten sie eine Brücke bilden zwischen religiöser Tradition und westlichen Werten. Noch sprechen die Zahlen dagegen: 2500 Moscheegemeinden und 2000 Imame soll es hierzulande geben, genaue Zahlen sind aber nicht verfügbar. Auch das bayerische Kultusministerium erklärt auf Anfrage, es habe „keine Erkenntnisse über die Anzahl und Ausbildung der in Bayern tätigen Imame“. Klar ist aber: Rund die Hälfte aller Imame wird von der türkischen Religionsbehörde DITIB entsendet, die sich in den letzten Jahren einen zweifelhaften Ruf erarbeitet hat. Sie gilt als religiöser Arm der türkischen Regierung in Ankara, einige ihrer Imame standen bereits im Verdacht, für den türkischen Staat spioniert zu haben. Außerdem bereitet sie dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan immer wieder die Bühne für (Wahlkampf-)Auftritte in Europa.

Wenn Faeser vom Ende der „staatlichen Entsendung“ von Imamen spricht, meint sie also vor allem DITIB. Ein Problem: Die Ausbildung des Personals ist in Deutschland nicht Sache des Staates, sondern der Religionsgemeinschaften. Es fehlt also der direkte Zugriff.

Ein Versuch, die Abhängigkeit zu lösen, ist das noch junge Islamkolleg Deutschland (IKD) mit Sitz in Osnabrück. Seit Mitte 2021 werden hier Imame ausgebildet, in deutscher Sprache und mit einem liberalen Ansatz. Das IKD wird vom Innenministerium gefördert, aber nur ein kleiner Teil der hiesigen Moscheeverbände arbeitet mit ihm zusammen. Der Rest schreckt offenbar davor zurück, IKD-Absolventen einzustellen. Einigen fehlt das Geld, andere lehnen eine westlich geprägte Version des Islam ab.

Fachleute fordern deshalb immer wieder, den liberalen Islam staatlicherseits mehr zu fördern. Anders als die meisten großen Moscheeverbände, die überwiegend ein konservatives Islamverständnis vertreten, erhielten säkular orientierte liberale Muslime weder inländische noch ausländische Unterstützung zum Aufbau eigener Strukturen, sagte der islamische Theologe Mouhanad Khorchide unlängst. Der Staat fordere zwar einen modernen Islam, der auf dem Boden des Grundgesetzes stehe, tue aber strukturell zu wenig.

Faesers Imam-Ankündigung klang zwar zupackend, konkret wurde sie aber nicht. Man sei bereits im Austausch mit der türkischen Religionsbehörde in Ankara, sagte sie. Dass die ein Interesse daran hat, ihren eigenen Einfluss zu schmälern, muss man aber bezweifeln.  mmä/kna

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