München – Der russische Überfall auf die Ukraine, Inflation, Energiekrise – das Jahr 2022 ist wahrlich keines, an das man sich gerne erinnert. Und auch auf 2023 blicken viele mit Sorge, frei nach Karl Valentin: „Die Zukunft war früher auch besser.“ Aber wir lassen uns den Optimismus nicht nehmen. Schließlich hat Valentin auch gesagt: „Heute ist die gute alte Zeit von morgen.“ Wir haben 23 Gründe gesammelt, warum das kommende Jahr besser wird als 2022 – von der großen Weltwirtschaft bis zur kleinen Heiterkeit.
1. Das Ende der Pandemie naht
Der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, macht Hoffnung fürs nächste Jahr. Er sei zuversichtlich, dass man 2023 sagen könne: „Das ist keine Pandemie mehr.“ Klar sei zwar, dass das Coronavirus damit nicht aus der Welt ist, sagte er kürzlich in Genf. Aber die Welt habe mittlerweile die Werkzeuge, um damit fertig zu werden. Es besteht also Hoffnung, dass die WHO die 2020 verhängte „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ wieder aufhebt.
2. Die Demokratie erweist sich als stabil
Das Jahr 2022 war geprägt von der Angst vor Unruhen und Protesten. Einen heißen Herbst hatten viele Politiker prognostiziert. Doch der blieb aus – auch weil die demokratische Mitte in diesem Land trotz aller inhaltlichen Debatten besonnen handelte. Das bleibt Auftrag und Hoffnung gleichermaßen für 2023.
3. Die Wirtschaft trotzt der Rezession
Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft waren lange ziemlich düster. Doch zuletzt hellten sich die Prognosen für 2023 deutlich auf. Das Ifo-Institut geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr nur um 0,1 Prozent schrumpfen wird. Die Rezession im Winterhalbjahr werde milder ausfallen als erwartet. „Danach geht es wieder aufwärts“, sagt Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Konjunkturforschung.
4. Die Inflation dürfte zurückgehen
Die Inflation bleibt das Schreckgespenst für Wirtschaft und Verbraucher. Doch Experten gehen davon aus, dass die Inflationsrate im nächsten Jahr wieder zurückgehen wird. Die Bundesbank geht von einem Rückgang auf 7,2 Prozent aus. Das Ifo-Institut rechnet in seiner jüngsten Prognose sogar mit 6,4 Prozent.
5. Die Aktienmärkte könnten sich erholen
Hohe Inflationsraten, deutliche Zinswenden und eine schwache Konjunktur: Für Anleger war 2022 ein Jahr zum Vergessen. Viele Experten gehen aber davon aus, dass es an den Aktienmärkten im kommenden Jahr zumindest wieder leicht bergauf geht. Zwar werde das Börsenjahr 2023 weiterhin volatil bleiben. Aber vor allem für die zweite Jahreshälfte rechnen Börsenfachleute mit einer positiven Entwicklung.
6. Es gibt wieder Zinsen für Sparer
Schon jetzt gibt es bei vielen Banken wieder höhere Zinsen auf Geldanlagen, nachdem die Europäische Zentralbank im Kampf gegen die Inflation den Leitzins mehrfach erhöht hat. Und es ist zu erwarten, dass die EZB noch das ein oder andere Mal an der Zinsschraube drehen wird. Wer also etwas Geld auf der Seite hat, kann so ein paar Extra-Euros herausholen. Analysten rechnen damit, dass vor allem beim Tagesgeld die Zinsen spürbar steigen könnten.
7. Der Arbeitsmarkt bleibt robust
Arbeitskräfte bleiben gefragt! Das hat einen einfachen Grund: der Fachkräftemangel bleibt auch im nächsten Jahr ein großes Thema. Für Arbeitssuchende ist das eine große Chance. Selbst wenn das ein oder andere Unternehmen bei den Einstellungen etwas zurückhaltender wird: Die demografische Entwicklung in Deutschland führt zwangsläufig dazu, dass nahezu jede Arbeitskraft gebraucht wird.
8. China rückt vom strengen Lockdown ab
Die strengen Corona-Maßnahmen in China haben zu großem Unmut bei der Bevölkerung geführt – und viele Unternehmen stark getroffen. Doch mittlerweile rückt China von seiner strikten Null-Covid-Politik ab. Und auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis die Handelsbeziehungen wieder vollständig hergestellt sind: Für die globalen Lieferketten dürfte der Kurswechsel eine Erholung bedeuten.
9. Die Energiewende schreitet voran.
So dramatisch die Folgen der Energiekrise sind: Für die Energiewende in Deutschland hat sich die aktuelle Lage zwangsläufig zu einem Konjunkturprogramm entwickelt. Plötzlich treiben auch bislang eher zögerliche Länder wie Bayern den Windkraftausbau voran. Und viele Privathaushalte investieren in eigene Solaranlagen.
10. Globaler Schulterschluss beim Artenschutz
Gerade bei der Klimapolitik wird oft kritisiert, dass sich die Weltgemeinschaft immer nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann. Doch zumindest beim Artenschutz wurde nun ein Abkommen erreicht, das viel Lob erfährt. „Wir fangen endlich an, Frieden mit der Natur zu schmieden“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres in dieser Woche nach der Einigung in Kanada. Das Hauptziel: bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz gestellt werden.
11. Zurück in die Wildnis
Während die Weltgemeinschaft Bündnisse zum Artenschutz schmiedet, geht es in Bayern im Kleinen voran: Der Landesbund für Vogelschutz will auch 2023 wieder zwei junge Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden auswildern, um die Alpenpopulation zu stärken. Zuwachs könnte es im kommenden Jahr zudem für die Steinbock-Population an der Benediktenwand im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen geben. Jäger wollen die unter Gen-Armut leidende Population mit Tieren aus der Schweiz verstärken. Und auch für die Orang-Utans auf Borneo gibt es gute Nachrichten: Die Organisation Borneo Orangutan Survival plant 2023, weitere 35 Menschenaffen auszuwildern. 2022 konnten die Tierretter dem 500. Orang-Utan den Weg zurück in den Dschungel ebnen – auch dank Spenden aus Deutschland.
12. Pendler profitieren vom neuen Ticket
Lange haben Bundesregierung und die Länder um die Finanzierung gerungen. Nun steht fest: Das 49-Euro-Ticket kommt. Wann genau, das muss noch festgezurrt werden. Realistischer Termin könnte der 1. April sein. Für Pendler, die bislang häufig deutlich mehr als 49 Euro im Monat für ihr Bahnticket bezahlen müssen, ist die Einführung des Deutschlandtickets eine gute Nachricht.
13. Die Preisbremsen greifen
Viele Haushalte ächzen unter den hohen Preisen für Strom und Gas. Ab März sollen die heftigsten Preisspitzen ausgeglichen werden. Denn ab dann greifen die Preisbremsen der Bundesregierung. So sollen Gasverbraucher für 80 Prozent ihres bisherigen Verbrauchs einen Bruttopreis von zwölf Cent pro Kilowattstunde garantiert bekommen. Analog sind beim Strom 40 Cent je Kilowattstunde geplant. Die Vergünstigungen sollen rückwirkend auch für Januar und Februar greifen.
14. Das Kindergeld wird angehoben
Ab dem ersten Januar bekommen Familien mehr Geld vom Staat: Das Kindergeld für die ersten drei Kinder erhöht sich auf jeweils 250 Euro pro Monat. Für das erste und zweite Kind bedeutet das eine Erhöhung um 31 Euro monatlich, für das dritte Kind um 25 Euro monatlich.
15. Die Rente wird wohl erhöht
Rentner können im kommenden Jahr voraussichtlich mit mehr Geld rechnen. In Westdeutschland sollen die Renten im Juli um rund 3,5 Prozent steigen und in Ostdeutschland um gut 4,2 Prozent. Die Daten sind vorläufig, Klarheit gibt’s im Frühjahr.
16. Fortschritt in der Krebsforschung
Gute Nachricht für Krebspatienten: Im Klinikum rechts der Isar an der TU München werden zum Jahreswechsel alle Abteilungen der Onkologie unter einem Dach zusammengefasst. „So bündeln wir die Kräfte und können neueste Innovationen gezielt bei all den Patienten anwenden, denen sie helfen, egal, welche Krebsart sie haben“, sagt Prof. Hana Algül, Direktor des Cancer Comprehensive Centers. Zum Beispiel die sogenannte neoadjuvante Immuntherapie, bei der der Patient vor der operativen Entfernung des Tumors mit einer Immuntherapie behandelt wird. „Diese vorausgehende Immuntherapie verbessert nicht nur die Chancen auf eine langfristige Heilung, sondern kann – zum Beispiel beim Enddarmkrebs – sogar dazu führen, dass der Krebs vollständig verschwindet und eine große Operation gar nicht mehr nötig ist. Von diesem ganz neuen Therapiekonzept werden wir 2023 noch viel hören“, sagt Algül.
17. Keine Krankschreibung mehr auf Papier
Der gelbe Schein wird digital. Bislang bekam man im Krankheitsfall beim Arzt drei gelbe Scheine für die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Einen für die gesetzliche Krankenkasse, einen für den Arbeitgeber und einen für sich selbst. Ab Januar wird nun komplett auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung umgestellt. Heißt: Der Arbeitgeber ruft die Krankmeldung elektronisch bei der Krankenkasse ab. Gesetzlich Versicherte müssen nichts mehr verschicken.
18. Weniger Verpackungsmüll
Ab Januar sind viele Restaurants, Imbisse und Cafés verpflichtet, für Speisen und Getränke zum Mitnehmen auch Mehrwegverpackungen anzubieten. Das Ziel: Weniger Verpackungsmüll. Die Mehrwegvariante darf nicht teurer sein als beispielsweise der Kaffee im Einwegbecher. Es darf aber ein Pfand verlangt werden.
19. Kartenzahlung an der Ladesäule
Besitzer von E-Autos kennen das Kartenchaos an den Ladesäulen. Ab dem ersten Juli 2023 soll sich das ändern. An allen Ladesäulen, die von da an neu errichtet werden, müssen Kunden auch per EC- oder Kreditkarte bezahlen können. Das Ziel: Mehr Einheitlichkeit und Kundenfreundlichkeit.
20. Weniger Stau in Richtung Kroatien
Urlauber und Menschen mit Verwandtschaft in Kroatien können aufatmen: Die Fahrt in das Urlaubsland am Mittelmeer dürfte künftig deutlich stressfreier werden. Denn Kroatien gehört ab Januar zum Schengen-Raum. Das heißt: Keine Grenzkontrollen mehr, wenn man von Deutschland nach Kroatien fährt. Und somit wohl auch deutlich weniger Stau auf der Route. Geld wechseln muss man auch nicht mehr, denn Kroatien führt den Euro als Zahlungsmittel ein.
21. München wird zur Konzertmetropole
Während der Pandemie hat sich einiges aufgestaut: Doch jetzt kehren die Rockstars dieser Welt zurück auf die Bühnen – auch in München. Für 2023 stehen unter anderem Kiss, Iron Maiden, Rammstein, Elton John und Ozzy Osbourne auf dem Programm.
22. Die Rückkehr des Politiker-Derbleckens?
Noch hüllt sich die Paulaner-Brauerei in Schweigen. Doch die Chancen stehen gut, dass nach drei Jahren Corona-Pause endlich wieder ein Politiker-Derblecken am Nockherberg stattfinden wird. Was wäre das auch für ein Landtagswahljahr ohne Fastenpredigt und Singspiel?
23. Die Wiesn und ihr Wiesnwetter…
So ein Sauwetter wie in diesem Jahr hat das Münchner Oktoberfest schon lange nicht mehr erlebt. Dabei war die Vorfreude bei Wirten und Schaustellern nach der Coronapause eigentlich besonders groß. Doch dann kamen Regen und Kälte. Und auch wenn jede Wetterprognose für den Herbst 2023 von den Meteorologen zu Recht als völlig unseriös eingestuft werden dürfte – wir legen uns fest: so bescheiden wie in diesem Jahr kann es ja gar nicht werden. dg/svs/höß/kr/dpa