Die ewige Angst vor dem Weltuntergang: Sogar Luther war davor nicht gefeit

von Redaktion

Endzeitstimmung. Sie war zu allen Zeiten Teil der Gegenwart. Und hätten sich die Prophezeiungen alle bewahrheitet, wäre die Welt schon mehr als 180 Mal untergegangen. Auch in der Bibel ist der Weltuntergang ein Thema – als Jüngster Tag. „Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie sehen das Reich Gottes kommen mit Kraft“, sagt Jesus im Markus-Evangelium.

Viele Weltuntergangs-Ankündigungen basierten auf skurrilen Zeitrechnungen. So ging der bedeutende römische Kirchenschriftsteller Hippolytus davon aus, dass die Welt 5500 vor Christus geschaffen wurde und nur 6000 Jahre alt wird. Im Jahr 500, so Hippolytus, sollte also Schluss sein mit dem irdischen Vergnügen. Auch Luther rechnete dreimal – 1532, 1538 und 1541 – mit dem Weltuntergang. Papst Silvester II. sorgte für Hysterie, als er das Ende für Mitternacht des 31. Dezembers 999 ankündigte. Für seinen Irrtum hatte er eine clevere Ausrede parat: Es selbst habe den Untergang durch Gebete verhindert.

Charles Manson, der verrückte Anführer der mordenden „Manson Family“, hielt die Beatles für apokalyptische Engel und ihren Song „Helter Skelter“ für eine verschlüsselte Botschaft. Für 1969 sagte er einen Krieg zwischen Schwarzen und Weißen voraus, den kein Weißer außer seiner Sekte überleben werde. Als das nicht passierte, versuchte die Gruppe, mit Morden an Weißen den Krieg doch noch auszulösen. Ein Opfer: Sharon Tate, die Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski. Sekten waren vor allem in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Ursprung apokalyptischer Prophezeiungen. So versammelten sich im März 1998 rund 150 Mitglieder der christlich-buddhistischen Sekte „God’s Salvation Church“ aus Taiwan in Texas – weil Gott dort auf Kanal 18 in einer Fernsehansprache verkünden werde, wo fliegende Untertassen aus einer anderen Dimension landen, um die Sektenanhänger abzuholen und so vor dem Weltende durch Atomwaffen zu retten. Gott sprach nicht. Sektenführer Hoh-Ming Chen soll anschließend kleinlaut verkündet haben: „Da Gott nicht im Fernsehen erschien, könnt ihr unsere Lehre vergessen.“ Nicht immer geht es so glimpflich aus. Die Angst vor der Apokalypse treibt regelmäßig Menschen in den Tod. So nahmen sich 39 Mitglieder der Sekte „Heaven‘s Gate“ 1997 in Kalifornien das Leben, um dem Untergang zuvorzukommen. 1994 begingen in der Schweiz 48 Sonnentempler, ein apokalyptischer Orden, Suizid oder wurden von anderen Sektenmitgliedern getötet.  wha

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