München – Die zentrale Aufgabe der BayWa im Gründungsjahr 1923: Landwirten einen kostengünstigen Einkauf von Produktionsmitteln zu ermöglichen und gleichzeitig deren landwirtschaftliche Erzeugnisse gewinnbringend vermarkten. Heute ist die Münchner Aktiengesellschaft ein Weltkonzern mit Milliardenumsatz. Trotzdem gibt es vieles zu erzählen, das kaum jemand weiß.
Überlebt dank amerikanischer Hilfe
In der Zeit des Nationalsozialismus stand die BayWa unter der Regie des Hitler-Regimes. Ziel war eine nationale Eigenversorgung. Nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte die US-Militärregierung schnell die Bedeutung der BayWa für die Ernährung der Bevölkerung und erteilte eine Genehmigung zur Aufnahme des Geschäftsbetriebs.
Digitalisierung vor über 40 Jahren
Als erstes Unternehmen der Branche führt die BayWa 1970 die elektronische Datenverarbeitung ein, heißt es in der Firmenchronik. Damals seien in großem Umfang IBM-Seitenleser eingesetzt worden, um täglich mehr als 100 000 Belege zu verarbeiten.
Solar-Pionier in den 70ern
Vor fast 40 Jahren präsentiert die BayWa in Otterfing im Landkreis Miesbach ein „Sonnenhaus“, das mehr als 80 Prozent seines Wärmebedarfs mit Sonnenenergie deckte. Das Dach des Hauses von 1976 bestand laut BayWa aus einer 80 Quadratmeter großen Kollektorfläche.
Apfel-Marktführer in Neuseeland
2011 übernahm die BayWa den neuseeländischen Obsthändler T&G Global (ehemals: Turners & Growers Limited). Das Unternehmen ist nach Angaben der BayWa in Neuseeland Marktführer im Vertrieb und im Export von Frischobst. Das Sortiment umfasst Äpfel, Spargel, Beeren und Zitrusfrüchte sowie Trauben und Tomaten.
Acht Millionen Tonnen Getreide
2021 handelte die BayWa eigenen Angaben zufolge mit mehr als 200 Obst- und Gemüseprodukten. Das jährliche Vermarktungsvolumen lag demnach bei 445 000 Tonnen. Deutlich höher ist das Handelsvolumen im Segment „Agrar“: Mit acht Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten handelt die BayWa –und zwar jedes Jahr.
Hühnerei auf Pflanzenbasis
Sieht aus wie Hühnerei, ist aber pflanzlich: Im Herbst 2022 investierte die BayWa über ihre Tochtergesellschaft BayWa Venture mit Partnern in Neggst Foods. Das Start-up hat Konzernangaben zufolge eine vegane Ei-Alternative entwickelt. „Vom Eigelb bis zur Schale gleicht die vegane Ei-Alternative einem Hühnerei, besteht aber aus rein pflanzlichen Inhaltsstoffen, unter anderem aus Erbsen“, begründeten die Münchner ihren Einstieg. Über ihren Finanzierungsarm ist die BayWa an weiteren Start-ups beteiligt: YoFix Probiotics etwa produziert Alternativen zu Molkereiprodukten wie Joghurt. Statt Milch werden Hafer, Linsen oder Sonnenblumenkerne verarbeitet.
Bewässerung per Satellit
Bewässerungsanlagen verkauft die BayWa schon lange an Landwirte. Neu sind Produkte wie „VariableRain“. Dabei handelt es sich um ein Bewässerungssystem, das Satellitendaten, Pflanzenwachstumsmodelle und Wetterdaten kombiniert, um die Bewässerung effizienter zu machen. „Der erfolgreiche Einsatz ist bereits in Sambia, Südafrika, Kanada und Spanien etabliert“, wirbt die BayWa für das System, das seit einigen Jahren auch in Deutschland angeboten wird.
Erneuerbare machen Hälfte des Gewinns aus
2021 lag der Betriebsgewinn (EBIT) der BayWa bei 267 Millionen Euro. Mit 135 Mio. Euro stammte ziemlich genau die Hälfte davon aus dem Segment Regenerative Energien. Die BayWa ist nicht nur an Wind- und Solarparks beteiligt, sondern handelt auch mit Photovoltaik-Komponenten. Zum Vergleich: Das klassische Energiegeschäft, zu dem der traditionelle Heizöl-Handel zählt, steuerte 2021 nur 17 Millionen Euro zum Ergebnis bei.
Ausland bringt den meisten Umsatz
2021 lag der Umsatz der BayWa bei 19,8 Milliarden Euro. Mit 7,3 Milliarden stammten 37 Prozent der Erlöse aus Deutschland. 12,5 Milliarden Euro Umsatz, also 63 Prozent, kamen aus dem Ausland.
Genossenschaften sind Großaktionäre
Die BayWa ist börsennotiert, 27,6 Prozent der Aktien sind Streubesitz. Größte Aktionärin (38,3 Prozent) ist die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs AG, hinter der die genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken stecken. Zweite Großinvestorin ist die österreichische Raiffeisen Agrar Invest AG.