Athen – Seit 15 Jahren ist Stefania Flenga, 49, Managerin bei der griechischen „YesHotel“-Gruppe. In Athen betreibt die Gruppe drei gehobene Design- und Boutiquehotels, eins davon nahe dem Touristenviertel Plaka. Ein Gespräch über den Touristen-Boom.
Frau Flenga, wie lief das Jahr 2022 für Ihre Hotels?
Sehr gut – und das, obwohl wir in ganz Griechenland die ersten drei Monate wieder einen Lockdown wegen der Corona-Pandemie hatten. Ab April haben sich die Gästezahlen aber sehr dynamisch entwickelt, besonders der Sommer lief hervorragend.
Woher kommen Ihre Besucher mehrheitlich?
Wir haben sehr viele Touristen aus den Vereinigten Staaten. Sie machen rund 60 Prozent unserer Gäste aus. Der Rest sind Europäer – Briten, Franzosen, Deutsche.
Welche Merkmale hat der Tourismus in Athen?
Athen ist immer noch keine ganzjährige Destination. Von Mai bis Oktober ist Athen immer voller Touristen, in den anderen Monaten kommen eher wenige. Dabei ist das Wetter fast das ganze Jahr sehr gut, sogar in den ersten Monaten des Jahres bleibt es lange angenehm. Da liegt noch Arbeit vor uns. Seien Sie aber versichert: Athen wird sich bis 2030 sehr verändern.
Was meinen Sie damit?
So viele Bau- und Infrastrukturprojekte laufen gerade, besonders im Tourismussektor. Was noch fehlt, ist ein Weg, ein Boulevard, auf dem man von hier in der Athener Innenstadt zu Fuß oder mit dem Fahrrad bis zum Saronischen Golf gelangen kann. Das sind nur ein paar Kilometer. Um spazieren zu gehen, zu joggen, Rad zu fahren. Das wäre ein absolutes Highlight für jeden Besucher, aber auch für jeden Athener.
Es entstehen Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Tut das Athen wirklich gut?
Athen muss allen Besuchern etwas bieten. Jenen, die mehr ausgeben, und jenen, die weniger ausgeben. Eine Metropole wie Athen braucht hochwertige Hotels. Die neuen Fünf-Sterne-Hotels heben das Niveau. Wir sind als „YesHotels“ im Premium-Segment tätig. Das ist ein schöner Wettbewerb mit den anderen Fünf-Sterne-Hotels. Diese großen Investitionen tun Athen im Ganzen gut. Im Übrigen hat unsere Regierung sehr viel dafür getan, dass diese Investitionen überhaupt nach Athen fließen.
Bedeutet konkret?
Unser Premierminister Kyriakos Mitsotakis hat sehr dazu beigetragen, dass sich das Bild Griechenlands im Ausland deutlich verbessert hat. Sein souveränes und dynamisches Auftreten, sein Werben und Fördern für Griechenland als Investitionsstandort und Touristenziel hilft uns sehr. Er hat Griechenland sehr gut durch die Pandemie geführt. Unserer Branche hat die Regierung während Corona, aber auch jetzt bei den gestiegenen Energiepreisen, unter die Arme gegriffen.
Im griechischen Tourismus fehlen mehr als 50 000 Beschäftigte. Betrifft das auch Ihre Hotelgruppe?
Ja. Wir haben aber eine sehr gute Reputation in der Branche. Das wissen die Beschäftigten. Sie sind sehr stolz darauf, hier zu arbeiten. Sie sehen, dass sie respektiert und geschätzt werden. Das ist sehr wichtig. Ihnen kommt auch entgegen, dass unsere Hotels zwölf Monate im Jahr geöffnet sind. So brauchen sie sich nicht ständig umzustellen, wie wenn sie nur im Sommer arbeiten würden.
Griechenland ist teurer geworden. Wie haben sich in den „Yes-Hotels“ die Zimmerpreise entwickelt?
Die Preise haben sich 2022 im Vergleich zu 2019, dem letzten Jahr vor Corona, im Schnitt um rund 15 Prozent erhöht. In diesem Jahr heben wir unsere Preise noch einmal um etwa fünf Prozent an. Die Preisfestsetzung ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage entwickelt sich dynamisch, daher steigen die Preise. Wir achten aber darauf, dass wir bei den Preisen moderat bleiben.
Machen Sie mal Werbung für Urlaub in Athen …
Klar besuchen unsere Gäste die Akropolis, das Museum, das Antike. Ich empfehle aber: „Tun Sie das am Ende Ihres Trips!“ Es gibt auch so viel Modernes in Athen zu sehen, so viele Ausgeh- und Shoppingmöglichkeiten, viele Geschäfte mit griechischen Produkten, griechischen Designermarken. Der Klassiker, dass der Besucher erst auf die Akropolis geht, dann einen Fleischspieß in der Plaka isst und schließlich eine Konditorei besucht, ist schon lange überholt. Athen bietet sowohl Antike als auch Moderne. Das macht seinen Reiz aus. Und wer Athen besucht hat, der kommt wieder.
Interview: Ferry Batzoglou