Schafroth macht weiter, will aber weniger lachen

von Redaktion

VON ANDREAS DASCHNER, KATJA KRAFT, SASCHA KAROWSKI, MIKE SCHIER, WOLFGANG HAUSKRECHT

München – Wer am Nockherberg ans Predigerpult tritt, weiß, was er sich antut. Ein bisserl hinterfotzig soll’s schon sein, bairisch verreckt, aber auch nicht zu gemein. Weil, ein bisserl empfindlich sind sie halt auch, die Damen und vor allem Herren Politiker. Und dass es nach der Predigt Kritik hagelt, gehört am Nockherberg fast zum guten Ton. Die Tage nach der Predigt sind nicht immer schöne für den Kabarettisten.

So geht es gerade auch Maxi Schafroth. Es gab viel Lob, aber auch viel Kritik an der Rede des 38-Jährigen. Zu viele Watschn für die Staatsregierung, zu wenige für Grüne und SPD, ist ein Kritikpunkt. Ein anderer die Präsentation. Schafroth habe die Pointen konsequent kaputtgekichert. „Der traditionelle Fastenprediger ist kein kichernder Spaßvogel. Comedy gibt es im Fernsehen in Überfülle, deshalb sollte der Nockherberg eher die bayerische Tradition eines geistreichen Predigers pflegen“, sagte Ex-CSU-Parteichef Erwin Huber unserer Zeitung. Er sei heuer enttäuscht gewesen. Alt-OB Christian Ude lobte die Predigt hingegen als „ausgezeichnetes Pointenfeuerwerk“. Aber auch er räumt ein: „Den einzigen Kritikpunkt, den ich verstehen kann, ist, dass er selbst am ehesten und lautesten über seine Worte gelacht hat.“

Der Fastenprediger selbst nimmt es sportlich. Zum allergrößten Teil hätte er ohnehin positive Rückmeldungen bekommen, sagte Maxi Schafroth gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Als die ersten negativen dabei waren, sei er sogar fast ein wenig froh gewesen. „Ich hätte mich eher gewundert, wenn keine Kritik gekommen wäre. Wer kritisiert, sollte sich nicht darüber ärgern, dass er selbst kritisiert wird.“ Der Unterschied sei aber, dass er sich hinstelle und den Leuten dabei in die Augen sehe.

Wo Schafroth seinen Kritikern beipflichtet: „Etwas weniger Lachen hätt’s auch getan“, sagt er – und lacht. Gleichzeitig bittet er um Welpenschutz: „Es war erst meine zweite analoge Predigt und bin auch noch unter 40, also in einem Alter, in dem man in Bayern noch nicht mal Ministerpräsident werden darf.“

Die Lust am Predigen hat Schafroth also keineswegs verloren. Die Kritik, die er bekommt, sieht Schafroth als konstruktive Kritik für die nächste Fastenpredigt: „Vieles davon steht auf meiner Liste fürs kommende Jahr“, sagt er. Man müsse den Schneid haben, sich selbst zu hinterfragen und Kritikern nicht per se böse Absicht zu unterstellen. „Ich sage es mal mit Habeck: Ich sehe die Fastenpredigt als einen Möglichkeitsraum, auch an mir selbst zu arbeiten.“ Am Stilmittel, die Politiker in der Predigt zu duzen, wird er wohl festhalten. „Es hilft mir auf der Bühne, das Ganze als eine Art Ausnahmezustand zu sehen.“ Im wahren Leben würde er freilich keinen Politiker duzen, sagt er – und schiebt mit Blick auf Ilse Aigner hinterher: „Okay, die Ilse vielleicht…“

Immerhin: Die Fastenpredigt ist Gesprächsthema. Das ist für Paulaner eine gute Nachricht nach der Live-Pause. Auch wenn die Einschaltquote mit 1,9 Millionen Zuschauern den Vor-Corona-Wert (2,72 Mio.) klar verfehlt hat. Justizminister und Münchens CSU-Vorsitzender Georg Eisenreich sah die Predigt so: „Der Anfang war gut, das Ende auch. Dazwischen gab es aber auch Luft nach oben.“ Kritik müsse aber jeder aushalten können, „das gilt sowohl für Politiker als auch für Kabarettisten“.

Auch der SPD-Landesvorsitzende Florian von Brunn nimmt Schafroth in Schutz: „Ich fand die Rede hart. Aber wer zum Derbleckn auf den Nockherberg kommt, muss mit einer kräftigen politischen Watschn rechnen. Insofern habe ich kein Mitleid mit uns Politikern.“ Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann findet, die Rede habe „genau den richtigen Ton“ getroffen. „Es war eine Rede der Extraklasse.“

Kabarett-Kollege Helmut Schleich war die Fastenpredigt nicht scharf genug: Die Salvatorrede sei die wichtigste Oppositionsrede im Jahr, sagte er unserer Zeitung. Dafür sei sie „einfach zu harmlos, zu nett“ gewesen. „Die Grünen wurden ja geradezu mit Glacéhandschuhen angefasst“, kritisierte er.

Bei Paulaner sieht man den Nachhall gelassen. „Reaktionen gibt es auf jede Fastenpredigt. Wir freuen uns, dass sich die Leute damit beschäftigen“, sagte Paulaner-Chef Andreas Steinfatt gestern unserer Zeitung. Auch heuer seien nach dem Nockherberg Reaktionen von Zuschauern gekommen. Lob und Tadel, so wie bei jeder Rede. „Für uns gilt auf dem Nockherberg: Es herrscht künstlerische Freiheit und es herrscht Meinungsfreiheit. Das gilt für den Redner und für jeden, der eine Meinung zur Fastenpredigt oder zum Singspiel äußert. Wir akzeptieren diese Meinungen – aber wir kommentieren sie nicht.“

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