Berg – Staub und Hitze schlagen einem entgegen, wenn man man die Werkstatt von Kunstgießer Marc-Andreas Hofmeister betritt. In einer großen Wanne rühren zwei Mitarbeiter eine Masse aus Ziegel, Gips und Wasser an. Ein weiterer Kollege bearbeitet eine Bronzefigur mit Feuer, und wieder ein anderer feilt an einem der vielen Kunstwerke. Hofmeisters Kunstgießerei in Berg im Landkreis Starnberg ist eine der letzten in Oberbayern.
Marc-Andreas Hofmeister ist stolz auf seinen Betrieb. „Es ist zwar ein körperlich harter Beruf, denn man steht den ganzen Tag im Staub“, sagt der 55-Jährige. „Aber er ist sehr vielseitig und kreativ. Und man trifft auf interessante Leute.“ Der Großteil seiner Kunden sind Künstler. Weil die Gießerei eine solche Rarität ist, kommen Bildhauer aus ganz Bayern, Österreich und der Schweiz, um ihre Kunst in Bronze, Messing, Silber oder Aluminium gießen zu lassen.
In seiner Werkstatt in Höhenrain, einem Ortsteil der Gemeinde Berg, produzieren Hofmeister und seine sieben Mitarbeiter alles Mögliche – vom Silberlöffel bis zur lebensgroßen Figur. Aber egal was, immer sind es viele Arbeitsschritte. „Wir bekommen meist Kunstwerke aus Ton oder Gips, wie zum Beispiel diese Tafel für die Einweihung einer Brücke“, erklärt Hofmeister und deutet auf eine aus Ton geformte Schrifttafel. Davon hat er bereits einen Abdruck aus weichem Silikon erstellt. Im nächsten Schritt nimmt er einen Pinsel zur Hand und streicht schwarzes, flüssiges Wachs in den Abdruck. Daraus entsteht dann eine exakte Nachbildung der Tontafel. „Später kommt das Wachs in einen Block aus Schamott“, sagt Hofmeister. „Der kommt dann in unseren 670 Grad heißen Trockenofen, wo das Wachs herausschmilzt.“
Und hier beginnt erst die eigentliche Arbeit des Metall- und Glockengießers: Einmal in der Woche kommt der große Tiegelofen zum Einsatz. Bei 1200 Grad schmilzt Hofmeister die Bronze und gießt sie in den Hohlraum der Schamott-Formen. Nach dem Abkühlen zerschlägt er den Block und der Guss kommt zum Vorschein. Das ist jedes Mal ein spannender Moment, weil man erst dann sieht, ob alles perfekt ist. Der Guss wird optisch nachbearbeitet – etwa mit Lauge und Feuer zur Farbveränderung.
Der 55-Jährige war schon früh von seiner Tätigkeit begeistert. Als Kind durfte er in der Gießerei seines Großvaters in München aushelfen. Direkt nach der Schule absolvierte er die Ausbildung, später den Meister. Weil sein Beruf so selten ist, musste sich Hofmeister seine gesamte Ausstattung selbst bauen – beispielsweise den Kachelofen. „Man muss alles können und sich zu helfen wissen“, sagt er. Heute ist Hofmeister seit 32 Jahren selbstständig, bildet in seiner Kunstgießerei aus und ist Vorsitzender des Prüfungsausschusses. Deshalb weiß er, dass es in ganz Deutschland zuletzt vor zwei Jahren einen Auszubildenden gab. Die Prüfungen finden bei Nürnberg statt, doch lange ist Hofmeister dort nie. „Wir sind am Vormittag schon fertig. Da sind oft mehr Prüfer als Prüflinge“, sagt er und lacht.