Der Milliardendeal von Zürich

von Redaktion

In einem Notfallakt übernimmt die Schweizer Großbank UBS den Konkurrenten Credit Suisse – UBS-Aktie dreht nach Unruhe ins Plus

Zürich/Frankfurt – Nach der „Notfallrettung“ der Credit Suisse durch die Schweizer Großbank UBS kamen die Finanzmärkte zunächst nicht zur Ruhe. Sowohl der Milliardendeal in der Schweiz als auch die Maßnahmen mehrerer Notenbanken zur Liquiditätsversorgung des Finanzsystems konnten gegen die Ängste vor einer andauernden Bankenkrise am Montag zunächst wenig ausrichten.

Besonders der sich abzeichnende Totalausfall von bestimmten milliardenschweren Anleihen der Großbank lastete teils schwer auf den stark schwankenden Kursen von Banken und Versicherern. Aus diesem Grund waren zahlreiche Branchenwerte in Asien unter Druck geraten. Die Börsen in Europa schüttelten ihre zunächst deutlichen Verluste dann aber bis zum Mittag ab. Auch die Aktien der UBS lagen nach der Übernahme der Credit Suisse an der Börse in Zürich zunächst tief im Minus, erholten sich aber wieder.

Die UBS übernimmt den kleineren Lokalrivalen für drei Milliarden Franken (gut drei Mrd. Euro). Zusätzlich steht sie für Verluste von bis zu fünf Milliarden Franken gerade. Hinzu kommen eine staatliche Verlustgarantie von neun Milliarden Franken sowie Liquiditätszusagen im Umfang von bis zu 200 Milliarden Franken: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) unterstützt die Transaktion mit Liquiditätshilfen und gewährt den Banken ein Darlehen von bis zu 100 Milliarden Franken, zusätzlich kann die SNB der Credit Suisse ein mit einer Ausfallgarantie des Bundes gesichertes Liquiditätshilfe-Darlehen von bis zu 100 Milliarden Franken gewähren. Andere Notenbanken begrüßten die Maßnahmen.

Eine Übernahme der zweitgrößten Schweizer Bank Credit Suisse durch die größere UBS ist die bedeutendste Bankenfusion in Europa seit der Finanzkrise vor 15 Jahren. Sie bedeutet das Ende für die 167 Jahre alte Credit Suisse, deren Hauptsitz gegenüber der erbitterten Rivalin UBS am Zürcher Paradeplatz liegt.

Die Schweizer Regierung in Bern stand unter erheblichem Druck, die Lage zu stabilisieren und die Credit Suisse zu stützen. Diese ist einer der weltweit größten Vermögensverwalter und gehört zu den 30 global systemrelevanten Banken, deren Ausfall das internationale Finanzsystem erschüttern würde. Die Not-Übernahme sorgt in der Schweiz auch für massive Kritik. Aus Politik und Wirtschaft werden Befürchtungen laut, die Hauruck-Aktion könne nicht nur den Schweizer Branchenprimus UBS schwächen, sondern den wichtigen Bankensektor des Landes insgesamt. Zwar wird der Schritt von der Regierung in Bern als unvermeidlich hingestellt – von „unkalkulierbaren Folgen“ eines Zusammenbruchs der Credit Suisse für das Land und die Finanzmärkte sprach Bundespräsident Alain Berset. Gleichwohl herrscht Entsetzen über die auf massiven politischen Druck hin zustande gekommene Übernahme.

Kritik gibt es vor allem daran, dass die Schweizer Behörden in den Tagen davor zu langsam und zu wenig gehandelt hätten. Damit sei die Chance vertan worden, die Credit Suisse trotz ihrer Krisen und Skandale noch zu retten. Stattdessen sei dann mit der Brechstange die Megafusion durchgesetzt worden. Von einer „Schande für die Schweiz“ spricht der Vorsitzende der Liberalen Partei, Thierry Burkhart. Der Sonntag sei „ein dunkler Tag für den Schweizer Finanzsektor und für die Schweiz insgesamt“ gewesen.

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